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Ausflug in die Tierwelt

Ausflug in die Tierwelt

Andreas, 32 Jahre, hat eine Muskeldystrophie, ist blind und dialysepflichtig. Trotzdem nimmt er aktiv an seiner Umwelt teil. Besondere Kraft erhält er von seinen Tieren.

Andreas mit GIP-Pflegeteam und Familien im Freizeitland Geiselwind.

„Wir sind wie eine kleine Familie.“, sagt Andreas oft und lächelt dabei. Gemeinsam mit seinem Vater, der sich stets liebevoll um seinen Sohn kümmert, und seinen GIP-Mitarbeitern, die mit der Zeit zu guten Freunden für ihn geworden sind, meistert er jeden Tag aufs Neue.

 

Ein liebevoller Vater und viele Haustiere

Andreas muss an drei Nachmittagen in der Woche zur Dialyse. Diese Tage mag er nicht besonders, obwohl sie natürlich notwendig und daher unumgänglich sind. Immer wieder betont er: „Dann ist der ganze Tag weg und ich hatte nicht viel davon.“ Sein Vater begleitet ihn regelmäßig ins Krankenhaus und kümmert sich auch sonst liebevoll um seinen Sohn. Auch für uns Mitarbeiter hat Andreas Vater stets ein offenes Ohr – er ist immer freundlich und hilfsbereit.


Neben Andreas und seinem Vater leben viele Tiere im Haus der Familie. Im Wintergarten flattern Wellensittiche und Zebrafinken in einem sehr schönen großen und geräumigen Käfig umher und im Garten schnattern einige Enten, mit deren Zucht Andreas und sein Vater im Frühjahr begonnen hatten. Außerdem beherbergt die Familie vier Zwergkaninchen. „Ich habe meine Tiere alle gern“, sagt Andreas. „Die Vögel singen und zwitschern jeden Tag. Ihnen zuzuhören tut mir gut. Die Häschen bekomme ich manchmal auf mein Bett gesetzt, sodass ich sie mit Hilfe einer mich führenden Hand streicheln und ihr weiches Fell fühlen kann. Die Enten schnattern im Garten und helfen meinem Papa, gegen die gefräßigen Schnecken anzukommen. Essen würde ich allerdings keines meiner Tiere, denn Freunde isst man nicht!“

 

Besuch im Pferdestall

Da Andreas Tiere so sehr mag, unternahmen wir vor einiger Zeit gemeinsam mit ihm und seinem Vater einen Ausflug in einen nahe gelegenen Pferdestall, in dem eine seiner GIP-Mitarbeiterinnen ihr Pferd einstehen hat. Hennessy, ein großer Trakehner-Mix, ist ein sehr lebhafter Wallach mit viel Energie und Lauffreude. Sonst ein richtiger Schalk, begegnete er Andreas mit viel Sanftmut. „Er war ganz vorsichtig, auch als er meine Hand mit seiner Schnute umdrehte, um zu sehen, ob darin Leckereien zu finden seien. Seine Nase war ganz weich, wie Samt.“, berichtete Andreas und lächelte dabei zufrieden.


Auch von den vielen anderen Pferden ließ Andreas sich beschnuppern und „inspizieren“. Jedes von ihnen ging auf seine Art sehr vorsichtig mit ihm um, keines verhielt sich frech, aufmüpfig oder gar bösartig. „Tiere merken, wenn jemand krank und hilflos ist. Sie verhalten sich diesen Menschen gegenüber dann ähnlich wie Kindern.“, meinte Schwester Vera, die über viele Jahre hinweg positive Erfahrungen mit Pferden und anderen Tieren gemacht hat. „Man merkt immer wieder, wie Tiere ihr lebhaftes Wesen gegenüber hilfebedürftigen Menschen zügeln. Sie sind sehr vorsichtig und scheinen jeden Schritt, den sie tun, genau zu überdenken.“ Andreas hat diesen Nachmittag sehr genossen und sagte am Ende des Tages: „Das machen wir mal wieder. Ich fand den Ausflug sehr schön.“

 

Ehrenamtliche Tierpflege

Daheim ist Andreas GIP-Team stets bemüht, ihm möglichst viele Gelegenheiten zu verschaffen, bei denen er Kontakt zu seinen Tieren hat. Einige seiner Mitarbeiter übernehmen darüber hinaus gern wöchentlich die Pflege der Tiere. Sie säubern die Unterkünfte und bringen Leckereien sowie Heu und Stroh für die Hasen mit. „Für uns gehört das irgendwie dazu.“, ist man sich einig. „Wir wissen, dass wir Andreas und seinem Vater eine Freude damit bereiten. Wenn man bei einem Patienten und seiner Familie so liebevoll aufgenommen wird, hilft man gern ehrenamtlich.“ Über unseren Einsatz freut sich auch Andreas immer sehr. Wenn er selbst einen Beruf ausüben könnte, wäre er gern Tierpfleger oder Florist. Beides habe mit der Natur zu tun, was er interessant und spannend findet.

Familienausflug in den Freizeitpark

Schon lange wünschte sich Andreas einen Ausflug mit dem ganzen GIP-Team ins Freizeitland Geiselwind. Am 12. September machten wir – die drei Mädels vom Pflegeteam uns mit Andreas und seinem Vater auf den Weg dorthin. Mit im Gepäck hatten wir unsere Familien und Partnern. Es sollte ein richtiger Familienausflug werden! Im Freizeitpark kümmerten wir uns dann abwechselnd um Andreas. Während die einen Achterbahn fuhren oder sich vom Krokodil durch das Wasser tragen ließen, spazierte Schwester Ewa mit Andreas durch den Tierpark. Sie erklärte ihm, welche Vogelarten hier gehalten werden, erzählte von den prächtigen Farben der gefiederten Freunde und las ihm vor, was über die Tiere auf den Plakaten stand. Andreas hörte die Rufe der Vögel und rätselte gemeinsam mit Ewa, wer von den Tieren wohl welche Töne pfiff. Anschließend stießen Ewa und Andreas wieder zum Rest der Gruppe.

Wildwasserbahn und neugierige Wiederkäuer
Andreas schleppte seinen Papa mit in die Wasserrodelbahn und beschwichtigte unsere Sorgen mit den Worten: „Och, der Papa wird mit allem fertig.“ Er lachte laut auf und los ging es. Nach der Wildwasserbahnfahrt liefen wir in Gruppen durch den Dino-Dschungel. Ob sich das für Andreas nicht doch zu (raub-) tierisch anhörte?

Nach der vielen Action hatten wir alle Hunger. So saßen wir bei Schnitzel, Pommes, Curry-Würstchen und Brötchen beisammen. An Cola, Wasser und Limo fehlte es natürlich auch nicht. Nachdem wir uns die Bäuche dick und rund gegessen hatten, gingen Bianca, Vera und Manuel mit Andreas weiter. Die Mädels waren froh, dass sie tatkräftige männliche Unterstützung hatten, als sie mit Andreas durch den Naturpark, vorbei am Streichelzoo, fuhren. Eine Ziege hatte seinen Rollstuhl mehr als kritisch ins Auge gefasst. Als sie begann, daran herumzuknabbern, lenkten wir sie mit Maiskörnern ab.

Quirlige Äffchen und Hühner mit Hosen

Weiter ging es zum Affengehege. Hier wurde gespielt, geklettert und geärgert. Einige Affen hatten Nachwuchs, den sie auf ihrem Rücken trugen. Andreas lauschte ihnen und konnte sich wohl bildhaft vorstellen, wie diese quirligen Tiere miteinander tobten. Anschließend gingen wir durch den Vogelpark. Andreas lachte, als wir sagten: „Hier gibt es ja sogar Hühner mit Hosen! Ja wirklich, die sehen richtig heiß aus. Schlaghosen haben die an.“, sagte Vera.

Wie schon erwähnt, waren Bianca und Vera sehr froh, einen kräftigen Mann dabei zu haben. Während unseres Rundganges im Park, stießen wir hier und da auf stark herausragende Baumwurzeln, die wir mit Andreas und seinem Rollstuhl bewältigen mussten. Auch waren wir Mädels nicht so geschickt, wenn es darum ging, den Rollstuhl ohne große Kurven- und Wirbelaktionen durch die Gegend zu befördern. Manuel war da weitaus geschickter. Andreas schien sich bei ihm, was die Fahrweise anging, weitaus wohler zu fühlen als bei uns.

Andreas genießt das schöne Wetter während des Ausflugs.

Abschied bis zum nächsten Jahr

Am frühen Abend trafen wir uns dann alle auf einer Wiese des Parks. Dort konnten wir in Liegestühlen die Seele baumeln lassen. Als krönenden Abschluss gönnte sich jeder von uns ein Soft-Eis. Dann mussten wir leider aufbrechen. Gern hätte Andreas sämtliche Tiere mit heim geschmuggelt. Doch er besann sich darauf, dass er schließlich schon einen großen Streichelzoo daheim hat.

Wir erinnerten uns noch Tage später gern daran, dass sogar Papa Killmer in den wildesten Achterbahnen mit gefahren war. Der Mann ist wirklich für jeden Spaß zu haben! Uns allen – vor allem aber Andreas hat dieser Ausflug sehr gefallen. Er sagte: „Es gibt vielleicht Leute, die glauben, ich hätte nichts davon gehabt, weil ich blind bin. Dazu sage ich nur: Ich habe alles gehört – vor allem die Stimmen der Tiere, z.B. das Quietschen und Spielen der Affen. Außerdem hat man mir alles erklärt, was vor sich ging. Mir wurden die Tiere beschrieben und die Vögel haben für mich gesungen. Deswegen hat mir dieser Ausflug viel Freude bereitet. Nächstes Jahr will ich mit Euch in jedem Fall wieder dorthin.“

Vera Weidl und Bianca Bechtold


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