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06.09.2016

Der Weg nach Hause - Die große Hürde des Fachkräftemangels

Jede Überleitung nach Hause stellt den zukünftigen Pflegedienstleister, die Klinik, aber auch den Patienten und seine Angehörigen vor Herausforderungen. Es müssen Anträge gestellt und  Kosten geklärt werden. Oft müssen sogar Umbaumaßnahmen durchgeführt werden. Zahlreiche Akteure wirken an diesem Prozess mit. Doch viele dieser Themen sind im Verhältnis zur schwierigen Suche nach dem geeigneten Fachpersonal leicht zu lösen.

Betroffene benötigen auf ihrem Weg nach Hause professionelle Beratung und Unterstützung, da sie sich in der Regel weder mit Überleitungen in die außerklinische Intensivpflege noch mit den Voraussetzungen für diese auskennen. Im Rahmen des Überleitungsprozesses sind viele Fragen zu klären, wie zum Beispiel: Was erwartet mich als Betroffener? Wer unterstützt mich auf dem Weg nach Hause? Wie läuft die Versorgungsübernahme im Detail ab? Welche Vorkehrungen muss ich bei mir zu Hause treffen? Und schließlich, welche Probleme und Hürden können auf dem Weg dorthin auftreten?

Jede Überleitung verläuft anders

Den standardisierten Überleitungsprozess gibt es nicht. Obwohl sich bestimmte Standards etabliert haben, verläuft jede Versorgungsübernahme anders. Warum ist das so? Einerseits liegt es ganz klar am Patienten, seinem Gesundheitszustand, seiner persönlichen Situation, seinen Wünschen und an den Vorstellungen der Angehörigen. Andererseits spielen die jeweiligen Voraussetzungen für die Überleitung in die außerklinische Intensivpflege eine wichtige Rolle. Muss beispielsweise alles neu organisiert werden oder wurde der Patient bereits einmal in der Häuslichkeit oder einer Wohngemeinschaft intensivmedizinisch versorgt? Darüber hinaus sind etliche Akteure beteiligt, die unter Umständen nicht alle im gleichen Maße über Erfahrungen in diesem Bereich verfügen und trotzdem eng zusammenarbeiten müssen. Wir haben für Sie die wichtigsten Beteiligten in einer Grafik zusammengestellt.

Die wichtigsten Akteure beim Überleitungsprozess in die Intensivpflege

Das A und O: Kommunikation

Wo viele verschiedene Institutionen und Personen beteiligt sind, ist vor allem eines wichtig: ein möglichst engmaschiges Kommunikationsnetz für den intensiven Austausch untereinander. Fehlt eine umfassende Kommunikation, kann die Versorgungsübernahme ernsthaft in Gefahr geraten. Wie schnell das gehen kann, berichtet eine GIP-Case Managerin: „Es ist bereits vorgekommen, dass eine Klinik einen Überleitungstermin nur an die Angehörigen, nicht aber an uns als Pflegedienst kommuniziert hat. Wir haben vom Termin nur durch Zufall erfahren.“

 

Um derartige Kommunikationspannen zu vermeiden, steht und fällt die erfolgreiche Überleitung mit einer frühzeitigen und umfassenden Planung. Nur so lässt sich die Arbeit der verschiedenen Akteure koordinieren und die durchgängige Versorgung des Patienten sicherstellen. In diesem Kontext ist auch eine umfangreiche Patientenberatung wichtig, in der gemeinsam realistische Ziele gesteckt werden. 

Was kommt auf die Betroffenen zu?

Für schwerkranke Menschen ist es wichtig, möglichst zeitnah aus einer Klinik oder Reha-Einrichtung entlassen und in die Häuslichkeit oder alternativ eine ambulant betreute Wohngemeinschaft übergeleitet zu werden. Den Betroffenen kann es nicht schnell genug gehen. Das bestätigt auch die Mutter einer kleinen GIP-Patientin: „Das war eine schwierige Zeit für uns. Wir wollten, dass Maria nach Hause kommt und das Warten war furchtbar. Wir waren damals ziemlich fertig mit den Nerven. Jeden Tag die 45 Minuten-Strecke zum Krankenhaus zu fahren und nicht zu wissen, was passiert. Da wurden selbst die vier Wochen für uns zur Geduldsprobe.“

 

Jede Überleitung bedeutet ein hohes Maß an Arbeits- und Zeitaufwand, die für einen Patienten und seine Angehörigen, die sich bereits in einer Ausnahmesituation befinden, eine immense Belastung darstellen. Anträge stellen, medizintechnische Hilfsmittel wählen, Kosten mit den zuständigen Kostenträgern klären, Hausärzte und Therapeuten koordinieren und vor allem Personal suchen. Diese Aufgaben können Betroffene schnell überfordern. Hinzu kommt, dass ihnen die nötige Erfahrung fehlt. Gut beraten ist, wer sich in diesem wichtigen Prozess professionelle Unterstützung sucht. Das GIP-Case Management empfiehlt Angehörigen, bestimmte Prozesse ganz an Überleitungs-Experten abzugeben.

Der Weg nach Hause

Wie lang der Weg nach Hause sich tatsächlich gestaltet, variiert von Fall zu Fall, wobei eine schnelle Übernahme, wie von den meisten Betroffenen gewünscht, heute kaum mehr realisierbar ist. Grundsätzlich sollten sich Betroffene und Angehörige auf mindestens fünf wichtige Schritte auf dem Weg in eine stabile und gut organisierte, häusliche Versorgung einstellen:  

Verschiedene Risikofaktoren

Selbst die beste Planung kann nicht verhindern, dass Probleme auftreten, die den Überleitungsprozess verzögern oder gar ins Stocken bringen. Das GIP-Case Management kennt eine ganze Reihe derartiger Risikofaktoren, die oftmals auf ungenügende Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren, die an der Überleitung beteiligt sind, zurück zu führen sind. 

Aber nicht nur fehlende Kommunikation, sondern auch der Gesundheitszustand des Patienten kann einen Überleitungsprozess verzögern, wenn zum Beispiel durch die Verschlechterung des Gesundheitszustandes ein längerer Aufenthalt in der Klinik oder Reha nötig wird. 

Größte Hürde: Fachkräftemangel

Ferner bedingt die Personalgestellung aus bereits genannten Gründen Verzögerungen, zumal die häusliche Intensivpflege besonders personalintensiv ist – werden doch in Einzelversorgungen bis zu fünf examinierte Pflegekräfte in Vollzeit benötigt. 

 

In vielen Regionen Deutschlands ist die Zusammenstellung eines qualifizierten Pflegeteams angesichts des Personalnotstands mittlerweile eine echte Herausforderung. Stabile und langfristige Versorgungsübernahmen lassen sich in der Regel nur mit langen Vorlaufzeiten realisieren. Die schnelle Aufnahme gibt es faktisch nicht. Ein Problem, das allen Unternehmen der Pflegebranche gleichermaßen haben. Etwaige Versprechen von Dienstleistern über sofortige Aufnahmemöglichkeiten sollten daher stets kritisch betrachtet werden. Vermeintlich schnelle  Aufnahmen enden nicht selten im Chaos und oft mit der Suche nach einem neuen Pflegedienst, der wiederum die Suche nach Personal ab Zeitpunkt des Wechsels beginnt, womit im Endeffekt keine Zeit gewonnen, sondern vielmehr wertvolle Zeit auf dem Weg nach Hause verloren wurde. 

 

Natürlich gibt es Ausnahmen und glückliche Zufälle. Gerade bei großen Dienstleistern sind schnelle Überleitungen dann und wann möglich, weil mit mehr Personalressourcen agiert werden kann. Doch bedenken Sie immer: Schnelle Übernahmen sind eine Ausnahme und nicht die Regel!

 

Etablierte und überregional tätige Dienstleister, wie die GIP, bieten ihren Patienten Übergangslösungen statt haltloser Versprechen. Eine Option ist z. B. die temporäre Versorgung oder auch Teilversorgung mit sogenannten Springern. Bei den Springern der GIP handelt es sich um flexible, erfahrene Pflegemitarbeiter, die regionale Pflegeteams bei Personalengpässen unterstützen, aber unter Umständen auch den Start mit einem eigenen, festen Pflegeteam überbrücken. Eine andere Möglichkeit stellt die vorübergehende Versorgung in einer intensivmedizinisch betreuten Wohngemeinschaft dar. Hier ist die Betreuung weniger personalintensiv. Sie kann daher in der Regel zeitnäher gewährleistet werden und somit eine Alternative auf Zeit auf dem Weg nach Hause darstellen. 

Willkommen zu Hause – Fazit

GIP-Patientin mit Ehemann

Der Weg nach Hause sollte systematisch und langfristig geplant werden. Der Wunsch nach einer schnellen Übernahme in die Häuslichkeit ist nachvollziehbar, jedoch in Zeiten des Fachkräftemangels kaum realisierbar. Gut beraten ist, wer sich als Betroffener rechtzeitig an einen erfahrenen Dienstleister wendet, der ihn ehrlich und kompetent berät. Dabei sollte offen kommuniziert werden, wann und in welchem Umfang die Versorgung übernommen werden kann. Seien Sie hierbei proaktiv und warten Sie nicht, bis klinikseitig die Info zum Behandlungsende kommt, da dann das Zeitfenster oftmals zu kurz ist, um eine schnelle Überleitung nach Hause zu gewähren. 

 

Ebenso sollte angesprochen werden, dass es aufgrund des Pflegenotstandes auch nach Versorgungsaufnahme immer wieder zu Personalengpässen und Ausfällen kommen kann. Es gilt, den schwierigen Rahmenbedingungen des Pflegemarktes offen und transparent zu begegnen. 

 

Von den Erfahrungswerten etablierter und großer Dienstleister wie der GIP profitieren letztlich alle am Überleitungsprozess beteiligten Akteure. Eine gemeinsame realistische Planung der Überleitung nach Hause sichert nicht nur eine professionelle Überleitung, sondern auch eine langfristig stabile Versorgung. Dies zeigt auch das Beispiel der von der GIP betreuten Familie aus Bayern: „Das lief eigentlich ohne Schwierigkeiten. Wir haben Maria aus dem Krankenhaus abgeholt und abends war dann die GIP da und hat die Nachtbetreuung übernommen. Wir hatten zusätzlich ehrenamtliche Unterstützung von Schwester Martina aus dem Krankenhaus. Sie war für uns eine wichtige Bezugsperson, weil sie zum Beispiel unsere Termine mit dem Krankenhaus koordiniert hat und Maria von Anfang an kannte. Sie hat auch einige Nachtdienste mit begleitet. Das hat uns diesen Übergang sehr erleichtert.“ Für alle Beteiligten sind diese gelungenen Überleitungen wünschenswert und machen Mut.

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