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Klinikclown Sternschnuppe im Interview

Humor in der Pflege – wir haben Charlotte Huber-Kort, alias Klinikclown Sternschnuppe, zu ihrer Arbeit befragt.

Redaktion: Wie etabliert sind Humor und Lachen als Therapieformen in Deutschland?

Klinikclown Sternschnuppe: Immer wieder wird mir diese Frage als Clown in der Klinik gestellt. Meine 7 ½ Jahre Erfahrung zeigen, dass Humor und Lachen mit eine der wichtigsten Therapieformen sind, nicht nur in der Klinik, wo ich meine Clownssprechstunden abhalte, sondern auch in anderen Institutionen. Immer noch stößt man allerdings allzu häufig auf Ablehnung von Klinikclowns. Es liegt wie im Anfangsstadium dieser Idee oft an störenden, gegensätzlichen Gefühlen seitens des Klinikpersonals. Ein großes Problem ist darüber hinaus die Finanzierung der Clownssprechstunden. In den Kliniken sind für diese Projekte selten Gelder vorhanden. Die Clowns werden über Fördervereine finanziert oder müssen – wie in meinem Fall - selbst für Sponsoren sorgen. Doch die Arbeit unter dem Begriff Klinikclown ist im weitesten Sinne auch in Deutschland etabliert.

Redaktion: Gibt es auch Clowns für den ambulanten Bereich, die Patienten in der eigenen Häuslichkeit besuchen?

Klinikclown Sternschnuppe: Es gibt Clowns für diesen Bereich. Der Versuch wurde gestartet und es war eine gute Idee. Ein unerwarteter und positiver Effekt stellte sich ein. Clownsarbeit und Humortherapien in der ambulanten Pflege müssen geleistet werden. Da ich ausschließlich als Klinikclown arbeite, möchte ich für dieses Thema auf den Dachverband der Klinikclowns in Wiesbaden verweisen.

Redaktion: Was sind Ihrer Meinung nach die positiven Wirkungen von Humor bei den erkrankten Menschen?

Klinikclown Sternschnuppe: Dazu habe ich meine eigene Erfahrung gemacht: Humor ist wie eine Schweinsblase. Ist Luft eingeblasen und sie wird unter Wasser gedrückt, muss man sie gegen die Natur unten festhalten. Denn die Luft in der Blase ist leichter als das Wasser. Genauso verhält sich das mit dem Humor. Schicksalsschläge sind Schwerkraft und ziehen nach unten. Durch den Humor schnellt sie empor an die Oberfläche. Die Last, also Schicksalsschläge wie Krankheit und Tod, die sie hinab drückte und unten hielt, ist fortgenommen. Ein positiver Humor ist für mich, wenn ich mich ein Stück weit mit nach unten ziehen lasse und durch den Witz nach oben schnelle und man gemeinsam darüber lachen kann.

Redaktion: Was war Ihr schönstes Erlebnis, dass Sie als Klinikclown bislang erlebt haben?

Klinikclown Sternschnuppe: Definitiv gibt es für mich nicht das schönste und auch nicht nur ein schönes Erlebnis. Alles Erlebte ist wie ein Fluss der ineinander fließt und zum Ganzen wird. Ich möchte aus diesem Fluss etwas herausschöpfen: Ein Mädchen ging Monate lang an Krücken. Immer wieder lange Aufenthalte in Kliniken. Keine Besserung stellte sich ein. Einziger Lichtblick, die Clownsvisite am Mittwoch.

Da wurde ihr Zimmer zu einer kleinen Zirkusarena. Wir hatten viel Spaß miteinander und sie war stets bemüht, auch dem Clown eine Freude zu bereiten. Sie wusste, das schönste für Clown Sternschnuppe wäre, wenn sie die Krücken nicht mehr bräuchte. Als ich vor ihrer Entlassung das letzte Mal meine Clownsvisite bei ihr abhielt, stand sie ohne Krücken in ihrem Krankenzimmer. Sie sagte zu mir: „Clown Sternschnuppe du hast mir so viel Freude gemacht, wie konnte ich mit dir immer lachen. Die ganzen Wochen habe ich darauf hingearbeitet, dass ich bei meiner Entlassung die Krücken nicht mehr brauche, um auch dir eine Freude zu bereiten.“ Wie sehr ich als Clown beim Gesundwerden den kleinen Patienten helfe, kommt darauf an, wie offen sie mich annehmen. Wichtig ist es, das Kind in mein Agieren mit einzubeziehen, so gibt es mir Zugang in seine Welt.

Redaktion: Würden Sie einen stärkeren Einsatz von Clowns und anderen Humortherapien in der ambulanten Pflege befürworten und warum?

Klinikclown Sternschnuppe: Es sind nicht nur schwerkranke Kinder, die sich den Einsatz der Clowns wünschen. Clownsarbeit und Humortherapien in der ambulanten Pflege müssen geleistet werden. Es kann nicht immer gelacht werden, wo Menschen sterben. Aber Träger müssen Freude und Erleichterung mit in die ambulante Pflege einbeziehen. Dieser Einsatz wäre Vorstellung von Aufstehkraft.

Schwerpunkt: Humor in der Pflege

Teil 1: Lachen ist gesund – Humor in der Pflege

Teil 2: Klinikclown Sternschnuppe im Interview

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