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01.08.2013

"Teilhabe - Beeinträchtigung - Behinderung" - Neuer Teilhabebericht der Bundesregierung

Das Bundeskabinett hat am 31.07.2013 den aktuellen Teilhabebericht der Bundesregierung beschlossen. Der Bericht ist Teil des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland 2009 ratifiziert hat.

Teilhabebericht der Bundesregierung

Im aktuellen Teilhabebericht werden erstmals auch die Lebenslagen von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen beleuchtet. "Er umfasst somit - neben den Menschen mit anerkannten Behinderungen - auch die Menschen, die zwar mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen leben, aber nicht als behindert oder schwerbehindert anerkannt sind."

 

Nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales werde so ein Einblick in die Lebenswirklichkeit von rund 25 Prozent der erwachsenen Bevölkerung gewährt. "Über 7 Millionen Menschen gelten in Deutschland als schwerbehindert, rund 17 Millionen Menschen im Alter von über 18 Jahren leben mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder chronischen Krankheiten, die sie im täglichen Leben einschränken. Das sind jede vierte Frau und jeder vierte Mann", heißt es im Bericht.

 

Zu welchen Ergebnissen kommt der Teilhabebericht?

Etwa ein Viertel aller Menschen mit schweren gesundheitlichen Beiträchtigungen nimmt weitgehend unbehindert am gesellschaftlichen Leben teil. Allerdings berichtet ebenfalls fast ein Viertel der Menschen über teilweise massive Teilhabeeinschränkungen und Behinderungen. Der Bericht zeigt, dass die meisten Menschen dieser Gruppe nur über eine niedrigen Bildungsstand sowie oft keinen Berufsabschluss verfügt und oft keine Anerkennung als behindert oder schwerbehindert beantragt hat. Dadurch fielen sie aus bestehenden Förderprogrammen raus.

Untersuchte Schwerpunktthemen

Als Konsequenz will das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt sowie die Ausbildung mit zusätzlichen 50 Millionen Euro unterstützen und weiter verbessern. Ziel ist es, noch mehr schwerbehinderte Menschen in einen Arbeitsplatz zu bringen.

Kritische Stimmen zum Bericht

Kritik am verabschiedeten Teilhabebericht kommt vom behindertenpolitischen Sprecher der Linken, Ilja Seifert: "Endlich und mit unverständlicher Verzögerung behandelte die Bundesregierung den Teilhabebericht. Scheinbar passen die Ergebnisse zur wirklichen Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen nicht in den Koalitions-Wahlkampf. Das Parlament kann sich vor der Wahl jedenfalls nicht mehr mit dem Bericht befassen." Er macht deutlich, dass auch die Neukonzeption des Teilhabeberichts nur bestehende Defizite bestätigt: "Menschen mit Behinderung werden beruflich, wohnungsbezogen, in der Bildung sowie in Politik und Kultur – in allen Lebenslagen – deutlich benachteiligt. Und: Behinderung bleibt ein Armutsrisiko."

Einen genaueren Blick auf den Bereich Gesundheitswesen wirft die Ärzte Zeitung: www.aerztezeitung.de Sie verweist auf die schlechte Datengrundlage für den aktuellen Teilhabebericht: "Allerdings können auch im diesjährigen Bericht keine genauen Aussagen zur Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen getroffen werden, da in vielen Bereichen statistisches Material fehlt. Auch die Definition von Behinderung und Beeinträchtigung ist unterschiedlich." Die Konsequenz: "Daher kann oftmals keine konkrete Aussage getroffen werden, wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind. Ende 2011 lebten in Deutschland 7,3 Millionen schwerbehinderte Menschen, das war fast jeder zehnte Bundesbürger."

Mehr Informationen

Den vollständigen Teilhabebericht können Sie im Webportal des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales downloaden: www.bmas.de

Diese Seite finden Sie unter:http://www.gip-intensivpflege.de/ausserklinische-intensivpflege/intensivpflege-news/teilhabe-beeintraechtigung-behinderung-neuer-teilhabebericht-der-bundesregierung/GIP Gesellschaft für medizinische Intensivpflege mbH 2014