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08.02.2013

Ist das eklig! – Ekelmanagement in der Pflege

Ekelmanagement in der Pflege. Foto: pf30 - fotolia.com

Wann haben Sie als Pflegekraft das letzte Mal Ekel in einer Pflegesituation empfunden? Wie gehen Sie mit Ihren Ekelgefühlen um? Versuchen Sie den Ekel zu verdrängen? Ist Ihnen Ihr Ekelgefühl peinlich oder kennen Sie Wege und Strategien, gesund mit diesem Gefühl umzugehen? Eines ist auf jeden Fall klar, ekelerregende Situationen gehören zum Pflegealltag, wie die Altenpflegerin Anke Wrage  treffend beschreibt: „Im Pflegealltag kann man als Altenpflegerin dem Ekelhaften nicht entrinnen, man wird mit ihm konfrontiert. Man muss sich mit dem Ekelhaften befassen, es ansehen, anfassen, riechen, hören, analysieren. Ein Fliehen oder Ausweichen ist in der Altenpflege sehr oft nicht möglich.“

Wie das Thema Sexualität in der Pflege sind jedoch auch Ekelgefühle bei Pflegekräften oft noch ein Tabu. Gerade deswegen möchten wir uns diesem Thema stellen, da Ekelgefühle auch heute noch zu oft „runtergewürgt“ oder scheinbar ignoriert werden. Dabei gibt es Strategien und Wege, um mit Ekel gut und gesund umzugehen.

Was ist eigentlich Ekel?

„Bei Ekel handelt es sich um ein subjektives Gefühl, eine starke Abneigung in Verbindung mit Widerwillen gegenüber einer Person oder ihren Verhaltensweisen, aber auch gegenüber Ausscheidungen und anderen Gegenständen“, so Krankenschwester Jennifer Meilick im Fachmagazin Die Schwester Der Pfleger.

Pflegekräfte kommen berufsbedingt regelmäßig in Situationen, die Ekel erregen können. So gehört der Umgang mit großen Wunden, Dekubiti, Verstümmelungen, Inkontinenz oder künstlichen Körperausgängen schließlich zum Berufsalltag.

In diesen Situationen nicht mit Ekel reagieren zu wollen, ist schlicht nicht möglich und auch nicht sinnvoll, meint Dr. Christine Pernlochner-Kügler: „Im Gegenteil: Die Ideale der Härte und der Ekellosigkeit führen auf Dauer zu Frustration, Krankheit, Aggression und Gewalt gegen die PatientInnen.“

Das belegen auch wissenschaftliche Studien. So zeigte ein Untersuchung der Universität Trier, dass der Versuch, Ekel zu verdrängen, zu Frustration führen kann, wodurch das Immunsystem geschwächt wird und sich das Risiko von Erkrankungen wie Herpes erhöht. Dr. Pernlochner-Kügler empfiehlt Pflegekräften daher, Gefühlen, die als negativ empfunden werden, gut und gesund zu begegnen. Schließlich haben Gefühle wie Ekel für den Menschen eine wichtige Schutzfunktion. „Ekel dient hauptsächlich als genetisch festgelegter Schutzmechanismus vor toxischen oder infektiösen Stoffen, die in verdorbener Nahrung oder auch in Exkrementen enthalten sein können“, erläutert Krankenschwester Meilick. Entsprechend lasse sich beispielsweise der Würgereflex bei Kontakt mit Erbrochenem auch gar nicht unterdrücken – bedingt kontrollieren lasse sich höchstens die Mimik und Gestik in solchen Ekelsituationen.

Gesunder Umgang mit Ekel – Ekelmanagement

Wie können Sie als Pflegekraft nun vermeiden, dass Ekel für Sie zur andauernden Belastung wird? Wie können Sie eigenen Ekelgefühlen möglichst gut und gesund begegnen? Entsprechende Strategie- und Maßnahmenempfehlungen werden in der Pflege unter dem Begriff Ekelmanagement zusammengefasst. Wir stellen Ihnen wichtige Empfehlungen vor.

Wissenschaftliche Studien in der Pflege zeigen, dass gegenüber Substanzen wie Stuhl oder Urin ein gewisser Gewöhnungsgrad eintreten kann. Vollständig abschalten lassen sich die Ekelgefühle aber nicht, weshalb Pflegekräfte vermeiden sollten, solche Substanzen mit bloßer Hand anzufassen, indem sie sich vor Ekel erregenden Substanzen wirkungsvoll schützen. Das geht allerdings nur, wenn man als Pflegekraft die eigenen Ekelgefühle auch zulässt. „Verleugne ich diese Gefühle, kann ich mich nicht mit ihnen auseinandersetzen und mir auch nicht überlegen, wie ich in den konkreten Situationen am besten damit umgehen kann“, erläutert Dr. Pernlochner-Kügler. Lässt eine Pflegekraft hingegen diese Gefühle zu, kann sie herausfinden, was für sie besonders belastend war und wie die Situation in Zukunft besser bewältigt werden kann. Jennifer Meilick bezeichnet dies als „Selbsterkenntnis“. „Diese Selbsterkenntnis stellt eine stabile Basis für den Patientenkontakt dar – denn wenn man ehrlich mit seinen Gefühlen umgeht, gelingt es, den Patienten in dieser Situation nicht zu verletzen oder, schlimmer noch, zu demütigen“, so die Krankenschwester.

Strategien für den Umgang mit dem eigenen Ekel

Die Wissenschaftlerin Dr. Pernlochner-Kügler hat sich intensiv mit dem Thema Ekel in der Pflege auseinandergesetzt und empfiehlt Pflegekräften vier Strategien für den guten und gesunden Umgang mit Ekel, die wir Ihnen kurz vorstellen möchten:

Fazit

Ekelgefühle gehören zum Pflegealltag dazu. Für Sie als Pflegekraft bedeutet das, eine individuelle Lösung zu finden, wie Sie gesund und gut mit ekelerregenden Situationen umgehen können. Wir haben in diesem Beitrag verschiedene Maßnahmen und Strategien vorgestellt. Wichtigste und vielleicht schwierigste Voraussetzung ist, dass Sie Ekelgefühle bei sich auch zulassen und nicht abblocken. Je mehr Sie und Ihre Kollegen sich mit diesem Thema auseinandersetzen, umso eher gelingt es Ihnen, gut mit Ekelgefühlen umzugehen und Ekel auch im Umgang mit den Patienten zu enttabuisieren.   

Quellen

  • Hiltrud Krey: Ekel ist okay, Ein Lern- und Lehrbuch zum Umgang mit Emotionen in Pflegeausbildung und Pflegealltag, Hannover 2003
  • Anke Wrage: Ekel – Ein Tabuthema und seine Auswirkungen auf die Pflegebeziehungen, Hamburg 2005
  • Dr. Christine Pernlochner-Kügler: Ekel in der Pflege, Über den gesunden Umgang mit ungesunden Substanzen und einem negativen Gefühl, Vortrag auf der Messe integra
  • Jennifer Meilick: Mit Ekel professionell umgehen, in Die Schwester Der Pfleger, 51. Jahrg. 11/12, S. 1104-1106

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