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GIP Bayern-Mitarbeiterbericht: Am Mittwoch ist Schwimmtag

Am Mittwoch ist Schwimmtag

Thomas Mitterer, der als Zimmermann einen schweren Unfall hatte, besucht seit 2007 die Bad Endorfer Therme zur Physiotherapie im Wasser.

Behutsam unterstützt GIP Bayern-Mitarbeiter Carl Thomas Mitterer bei seinen Übungen. Foto: Carl Blesch

Thomas, ein geschickter Zimmermann und junger Familienvater – seine Tochter Julia war zwei Jahre und sein Sohn Florian gerade mal vier Monate – hatte an einem Tag im Mai einen schweren Unfall auf einer Baustelle, was sein Leben und das seiner Familie von heute auf morgen völlig veränderte. Ein Querschnitt und ein schweres Schädel-Hirn-Trauma waren die Folge – für seine Ehefrau und sein familiäres sowie soziales Umfeld ein schwerer Schock, wie man sich vorstellen kann. Nach einem mehr als einjährigen Aufenthalt in der Unfallklinik Murnau und in verschiedenen Reha-Einrichtungen kam Thomas schließlich in häuslicher Einzelversorgung zur GIP Bayern (ehemals PRO VITA), wo er nunmehr seit zehn Jahren im Rahmen einer vielseitigen therapeutischen und rehabilitierenden Pflege versorgt wird.

Seit dieser Zeit bin ich der Leiter des Teams Thomas Mitterer. Ich lege großen Wert darauf, dass alle Teammitglieder entsprechend ihrer Fähigkeiten den Patienten in therapeutischer und rehabilitierender Weise fördern. Ich habe mich viel mit Körpertherapie beschäftigt und so auch die Bewegungstherapie im Wasser entdeckt.

Eine Idee entsteht

Was für ein schönes Ereignis, als Florian, der mittlerweile 4–jährige Sohn des Patienten, einen Kinderschwimmkurs in der Chiemgautherme in Bad Endorf besuchte. Da sich auch schon kleine Männer für Technik zu interessieren scheinen, fiel Florian ein „Kran“ am Rande des Schwimmbeckens auf. Auf einem Stuhl sitzend kann man mit dieser „Maschine“ Menschen ins Wasser tauchen, die ihre Beine nicht mehr bewegen können. „Damit könnten wir doch auch meinen Papa mit ins Wasser nehmen?“, sagte Florian. So wurde die Idee geboren, die Krankengymnastik im Wasser mit in das therapeutische Programm für unseren Patienten Thomas aufzunehmen. Ein aufgeschlossener Hausarzt und die Reha-Abteilung der Therme stimmten zu die „Physiotherapie im Bewegungsbad“ auch einem neurologischen Patienten zugutekommen zu lassen. So kam recht bald der Tag an dem Thomas zum ersten Mal nach seinem Unfall wieder in das Wasser eines Schwimmbeckens eintauchen konnte.

Die Therapie im Wasser

GIP Bayern-Mitarbeiter Carl mit Thomas Mitterer bei der Physiotherapie im Wasser. Foto: Carl Blesch

Zu Beginn war die Situation im Wasser natürlich neu und aufregend für Thomas. Doch schon nach zwei bis drei Besuchen im Therapiebecken der Therme fühlte er sich wohl in seinem „neuen Element“. Alles läuft sehr sicher ab: Nach dem Eintauchen ins Wasser mit dem Lifter wird Thomas in Rückenlage auf zwei Schwimmschlangen gelegt, um den Nacken trägt er ein aufblasbares Hörnchenkissen. So gelagert auf der Wasseroberfläche wird sein Gewicht auf ein Minimum reduziert und Thomas kann so von mir und vom beteiligten Physiotherapeuten mühelos durchbewegt werden.

Unser therapeutisches Programm umfasst aktive und passive Bewegungsübungen, Schwimmbewegungen in Rückenlage, Dehnungen von Sehnen und Bändern auf der Unterwasserbank, Gleichgewichts- und Stehübungen am Beckenrand in tiefem und in seichtem Wasser und sogar passives Gehen entlang der Haltestange. Als besonders effektiv hat sich die Wirbelsäulengymnastik erwiesen. Hierbei werden die einzelnen Wirbelgelenke gegeneinander bewegt und detailliert mobilisiert mit spezifischen Griffen, die aus der osteopathischen bzw. chinesischen Tuina-Therapie stammen. All das lässt sich im Wasser für uns Therapeuten und Pflegekräfte ohne großen Kraftaufwand bewältigen und der Patient ist im schwerelosen Zustand und im 34 Grad warmen Wasser entspannter als zu Hause im Pflegebett bzw. im Rollstuhl.

Der Mittwoch wird zum „Schwimmtag“

Mittlerweile gehen wir nun schon seit über acht Jahren einmal in der Woche – am Mittwoch – in die Therme. (…dass es schon lange ist, wird mir übrigens erst jetzt klar, da ich diesen Artikel schreibe…).

Die Vorbereitungen zum Thermenbesuch beginnen schon am Morgen. Fragen wie diese sind vorab zu klären:

  • Wie ist die Tagesverfassung des Patienten?
  • Zeigen die Vitalwerte Auffälligkeiten?
  • Funktioniert der suprapubische Blasenkatheter?
  • Verdauungssituation?
  • Welche Kleidung eignet sich am besten, um sie dem Patienten im Rollstuhl aus bzw. später nach dem Abtrocknen ebenfalls im Rollstuhl wieder anzuziehen?
  • Wie bewerkstelligen wir den Transport zur Therme?
  • etc.

 

Man könnte glauben, dass nach so langer Zeit die ganze Aktion zur Routine wird – und doch ist für Thomas und auch für mich jeder dieser Mittwoche immer wieder etwas Besonderes. Die Aufenthalte in der Therme unterbrechen in gewisser Weise den gewohnten Ablauf der Woche. Kein Besuch gleicht exakt dem anderen. Oft entstehen Variationen der Übungen einfach dadurch, dass sie ausgeführt werden, oder Übungen verändern sich durch die Fortschritte, die Thomas bezüglich seiner Mobilität macht. Es sind auch schon gute Bekanntschaften zu anderen Patienten entstanden, wodurch Thomas sich auch mit deren Schicksal beschäftigen kann, was wiederum seine eigene Situation relativiert. Alles in Allem betrachtet ist die Physiotherapie im Wasser für Thomas eine in vieler Hinsicht sehr fördernde Aktion, die das oft sehr aufwendige oder anstrengende Handling rechtfertigt. Er hat schon viel davon profitiert, um frühere Fähigkeiten wiederzuerlangen.

Die harmonisierende Wirkung des Wassers auf die Energetik des gesamten Organismus

Freilich ist Thomas nach den ca. 1,5 Stunden im Wasser müde und geschafft, doch lässt sich an den Tagen nach unseren Thermenbesuchen eine deutliche Belebung des ganzen Körpers, auch in kognitiver und vegetativer Hinsicht (Verdauung) feststellen. Wasser als heilendes Element wirkt eben in sehr vielfältiger Art und Weise.

Es wäre schön, wenn mein Artikel auch für andere Patienten oder Pflegeteams eine Anregung wäre. Mit einem „Ja“ statt einen „Nein“ lässt sich oft mehr erreichen, als es auf den ersten Blick erscheint.

Carl Blesch

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