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Wir können voneinander lernen - erfahrene Pflegekräfte im Interview

Wir können voneinander lernen

Wer Erfahrung in der Pflege hat, kann viel berichten. Wir haben drei langjährige Pflegekräfte der GIP und GIP Bayern über ihre persönliche Entwicklung, Routine im Job und die Zusammenarbeit mit der „Jugend“ befragt. Sie waren sich einig, dass man nie auslernt und die Anerkennung für den Pflegeberuf noch in den Kinderschuhen steckt.

Carl Blesch, Marlies Stöve und Klaus Sander (v. l.) berichten über ihre Erfahrungen im Pflegeberuf. Foto: Pedro Becerra

Der Pflegejob ist sehr vielseitig - erfahrene Pflegekräfte von GIP und GIP Bayern im Interview

Marlies Stöve

Wie lange arbeiten Sie schon bei der GIP?

 

Bald vier Jahre als 450-Euro-Kraft. Es ist für mich ein Ausgleich zu meinem Dienst im Krankenhaus.

 

Wie lange arbeiten Sie insgesamt schon in der Pflege?

 

Über 23 Jahre. Ich habe vorher als Gärtnerin und Floristin gearbeitet.

 

Wie kam es zur Entscheidung für den Pflegeberuf?

 

Ich hatte als Floristin wenig Geld, wenig Freizeit, wenig Urlaub. Diese Dinge kamen zusammen. Daher wollte ich noch einmal etwas anderes lernen und da mein Mann auch in der Pflege arbeitet, habe ich mich dafür entschieden. 

Hat sich irgendetwas im Laufe Ihres Berufslebens verändert?

 

Ja, es hat sich einiges verändert. Als ich den Beruf erlernt habe, war die ganzheitliche Pflege sehr wichtig. Am Anfang wurde das auch praktiziert, aber da zunehmend mehr Personal abgebaut wurde, klappte das irgendwann nicht mehr. Heutzutage hat man manchmal das Gefühl, dass die Geräte ausgelastet werden müssen und man ständig irgendwie erreichbar sein muss. Da steht die Pflege manchmal ein wenig hinten an (bezogen auf das Krankenhaus).

Außerdem gibt es sehr viel mehr administrativen Aufwand. Es wird mehr an Schreibarbeit und Dokumentation verlangt.  

Haben Sie sich weiterentwickelt? Von den Tätigkeiten dazugelernt?

 

Ja, auf jeden Fall. Es war mir immer wichtig, nach kurzer „Kinderzeit“ den Fuß wieder in die Tür zu bekommen. Einfach um auf dem Stand der Dinge zu bleiben, weil sich ständig so viel verändert in der Pflege. Was vor zehn Jahren galt, gilt heute schon lange nicht mehr. Zum Beispiel nach Operationen und bei der Bewegungsfähigkeit der Patienten. Früher sollte er liegenbleiben, heute soll er gleich aufstehen. Da ist man immer gefordert, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Entsprechend wichtig ist es, regelmäßig Schulungen zu besuchen und sich weiterzubilden.

 

Welche Erfahrungen haben Sie am stärksten geprägt im Job?

 

Mitte der 90er Jahre bis Anfang 2000 waren für mich die schönsten Pflegejahre. Da waren wir ein gut ausgewogenes Team von Pflegekräften und konnten ganzheitlich pflegen. Es gab ein gutes Miteinander mit Ärzten und Pflegern. Alle haben an einem Strang gezogen. Über die Zeit habe ich Vertrauen zu den Patienten aufgebaut. Ich kenne Patienten teilweise bereits 20 Jahre lang. Ich habe ihr Leben mitbekommen.

 

Wie funktioniert das Arbeiten alleine ohne Team bei der GIP?

 

Ja, das ist schon anders. Man arbeitet einsamer. Ist eher so für sich. Hat aber wiederum auch einen intensiven Kontakt zum Patienten. Das finde ich ganz schön. Persönliches Arbeiten. Nur der Austausch mit dem Team fehlt. Aber es gibt Angehörige und im Notfall kann man auch seine Kollegen anrufen. Wir sind da gut vernetzt. Diese Sicherheit ist wichtig.

 

Was mögen Sie an der GIP?

 

Ich mag die 1:1-Pflege und die 12-Stunden-Nachtschichten. Das passt gut zu meinem Leben. Ich kann Familie und Beruf gut verbinden. Der Pflegejob ist sehr vielseitig. Es gibt viele Aufgaben und unterschiedliche Bereiche.

 

Was mögen Sie weniger?

 

Dass der Pflegeberuf nicht so die Anerkennung hat. Dass es viel Personalabbau gibt und viel Fluktuation. 

 

In welcher Situation finden Sie Ihren Job schwierig?

 

Da ich nicht so häufig da bin, ist mit meiner Patientin oft die Verständigung nicht so leicht. Da muss ich dann improvisieren. Wenn ich die Bedürfnisse nicht genau kenne, fühle ich mich unwohl. Wenn Patienten im Sterben liegen, ist auch immer noch unangenehm. Das fällt mir nicht leicht. An das Sterben kann man sich nie gewöhnen.

 

In welchen Situationen macht Ihnen die Arbeit am meisten Spaß?

 

Wenn ich ein gutes Feedback bekomme oder spüre, dass die Patienten zufrieden sind. In Momenten, wo ich mit und für den Patienten Zeit habe. Für Gespräche und Austausch.

 

Haben Sie sich verändert bezogen auf Ihren Job?

 

Ja, ich denke, dass der Optimismus, den ich am Anfang stark hatte, weniger geworden ist. Man wird pessimistischer. Wenn ich höre, „dies soll besser werden und jenes soll besser werden“, warte ich auf den Zeitpunkt, wenn wirklich etwas passiert. 

 

Haben Sie Ratschläge für jüngere Kollegen?

 

Ich sage immer, lasst euch nicht verheizen. Oft sind junge Leute durch Überbelastung am Rande ihrer Kräfte. Da wird ihnen schon viel abverlangt. Die wollen viel und machen auch viel. Aber man muss aufpassen und mit seinen Kräften haushalten.

 

Was haben Sie von jüngeren Kollegen gelernt?

 

Ja, ich finde immer wieder schön, dass die Jugend so easy an die Arbeit rangeht und sich nicht so viele Gedanken macht. Das ist sicher auch ein Vorteil. Ich selber bin verkopfter. 

 

Wie ist die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Generationen?

 

Ich habe keine Schwierigkeiten. Es gibt zwar schon manchmal in Teams dieses „Jung gegen Alt“. Es gibt immer ein paar Kollegen, die sagen, „das haben wir immer schon so gemacht. Das wird jetzt nicht geändert.“ Das ist natürlich Unsinn. Und wiederum gibt es Dinge, die die Jüngeren nicht so drauf haben. Manchmal geht es um Arbeitsordnung oder solche Dinge, wo es immer wieder auch kleinere Reibereien gibt. Da muss man drüber reden. Das findet sich schon. 

Man kann immer viel anprangern: „Dies ist schlecht und das ist schlecht.“ Aber es wäre manchmal viel leichter im Beruf zu sagen: „Das klappt gut. Das kriegt ihr gut hin. Das habt ihr geschafft.“ Mehr zu loben, anstatt immer nur zu kritisieren. 

 

Was wünschen Sie sich für das weitere Berufsleben?

 

Die Arbeitsbedingungen in einigen Punkten verbessern (z. B. durch bessere/mehr Hilfsmittel/Arbeitsmaterialien) und dass man mehr Anerkennung für seinen Beruf bekommt. Nicht immer nur diese Negativmeldungen, sondern auch mal positive Dinge herausstellen, z. B. „Das hat gut geklappt“ oder „Das funktioniert“. Diese kleinen Dinge würden das Arbeitsleben verbessern. Und bei der GIP, das wir im Team lange zusammenbleiben. Konstanz ist für alle gut.

 

Was wünschen Sie sich von sich selber?

 

Mein Motto: „Solange ich zu 85 Prozent zufrieden bin im Job, bleib ich dabei. Sonst mach ich was anderes.“ Wenn ich anfange rumzunörgeln, sollte ich was anderes machen. Um zu Hause auch abschalten zu können, muss ich auf der Arbeit zufrieden sein. Wenn ich meinen Job Tag und Nacht mit mir herumtrage, weil ich unzufrieden bin, ist es besser, ich mache was anderes. 

 

Vielen Dank für das Interview.

 

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Klaus Sander

Wie lange arbeiten Sie bei der GIP?

 

Seit 2007, habe dann 18 Monate Pause gemacht und bin seit knapp einem Jahr wieder dabei.

 

Wie lange üben Sie diesen Beruf schon aus?

 

Das sind 20 Jahre ohne Ausbildung und Elternzeit.

 

Wie war der Weg, den Sie beschritten haben?

 

Ich komme ursprünglich aus dem elektrotechnischen Bereich und habe meine ersten Erfahrungen in der Pflege bei einem Ferienjob im Seniorenheim sammeln können. Das gefiel mir ganz gut und die Pflegerinnen meinten auch, ich hätte ein Händchen dafür. Ich solle doch Krankenpfleger werden. Nach meiner Bundeswehrzeit habe ich mich 1984 in Wuppertal am städtischen Klinikum für eine dreijährige Ausbildung beworben. Ich wollte etwas Praktisches machen. Habe mich auf die Schwerpunkte Diabetologie und innere Medizin konzentriert. Dann kamen die Kinder und ich habe erst mal fünf Jahre pausiert. Dann sind wir ins Emsland gezogen und ich habe viele Jahre in der neurologischen Frühreha gearbeitet. Habe dann noch eine Weiterbildung zur Stationsleitung gemacht. Dann hatte ich irgendwann keine Lust mehr auf den stationären Stress (Sommer 2007) und überlegte, etwas anderes zu machen. Ich hatte genug vom Durchgangsverkehr, von reiner Fließbandarbeit, besonders am Wochenende (internistische Notaufnahme). Habe mir die Familie angeschaut, Michi war damals acht. Ich mochte das Umfeld und habe mich dafür entschieden. Bin zwischendurch auch mal als Springer unterwegs gewesen, wenn Not am Mann war.

 

Haben Sie Ihre Berufswahl je bereut?

 

Ja, definitiv. Gerade als die Umbrüche begannen und die Kliniken privatisiert und Stellen gekürzt wurden sowie der Verwaltungsaufwand enorm zugenommen hatte. Im Rahmen der Professionalisierung der Pflege kam zudem viel Bürokratie auf die Leute zu – ohne vernünftige Schulungen oder theoretischen Hintergrund. Es galt nur friss oder stirb. Ich habe selten etwas wie einen Pflegeprozess miterlebt, während die Dinge und Strukturen sich änderten. Daher habe ich mittlerweile eine ziemliche Aversion gegen die stationäre Arbeit. Die größten Probleme sind die Arbeitsdichte und der enorm hohe Aufwand an Verwaltung.

 

Was hat sich noch verändert im Laufe Ihres Berufslebens?

 

Jede Menge Routine. Die Wichtigkeit der Weiterbildung hat zugenommen. In meiner Ausbildung gab es so etwas wie Pflegeplanung noch nicht. Da muss ich mich als „älterer Mitarbeiter“ auch umorientieren und von der Jugend lernen. Das ist vielen meiner Kollegen schwer gefallen, weil sie auf diesem Status quo stehen geblieben sind. Das hat mich im stationären Bereich so geärgert. Aufgrund der Personalknappheit haben die Leute extrem ressourcenschonend gearbeitet und nach Schema F hantiert. Das war alles andere, aber keine individuelle Pflege. 

 

Warum arbeiten Sie bei der GIP?

 

Ich bin ein Teil eines Ganzen. Dieses Gefühl sollten die Mitarbeiter noch viel stärker bekommen. Ich bin oft überrascht, wie engagiert die Kollegen sind.

 

Welche Erfahrungen haben Sie am stärksten geprägt?

 

Privatisierung und Stellenabbau. Mehr Aufwand. Mehr Arbeit bei weniger Personal. 

Das Positive, dass die Pflege auch in Deutschland einen professionellen Anstrich bekommt, einen wissenschaftlichen Unterbau. 

 

Wie hat sich dadurch die Pflege verändert?

 

Die Pflege hat sich verändert, aber leider nicht so schnell wie ich mir das wünsche. Ich weiß nicht, ob die Krankenpflegeschulen das nicht mitgeben, dass sich die Pflege verändert. Gerade bei den Neuen habe ich manchmal das Gefühl, die haben jetzt ihre Ausbildung gemacht und denken, sie sind fertig. Aber sie sind nicht fertig. Gerade in der Pflege ist die allgemeine Weiterentwicklung und lebenslanges Lernen sehr wichtig.

 

Gibt es Situationen, in denen Sie Ihren Job schwierig finden?

 

Ich habe eine gewisse Erwartung bezüglich der Professionalität in der Pflege an mich und meine Kollegen. Es ist schwierig, die Balance zu finden, zwischen dem, was die Pflege will und als sinnvoll erachtet und dem, was die Angehörigen wollen und wichtig finden. Das ist manchmal frustrierend.

 

Gibt es Momente, wo Sie am meisten Spaß haben?

 

Ja, immer wenn ich etwas mit unserem jungen Patienten Michael mache, wir unterwegs sind. Die Interaktion mit Michael und seinem kleinen Bruder. 

 

Haben Sie sich verändert?

 

Ich habe ein anderes Weltbild durch die Pflege bekommen. Ich arbeite für und mit Menschen. Ich reflektiere dadurch mehr, wie ich mich verhalte und das Ergebnis dieser Reflexion ist sicherlich ein anderes, als würde ich in einem Großraumbüro am PC sitzen. Ich würde dann anders mit den Leuten umgehen. Die Arbeit ist ja auch ganz anders. Bei Menschen geht es immer sehr stark um die Kommunikation. Direkt oder indirekt. Sozialisation und Hintergrund müssen berücksichtigt werden. Wenn ich mit Menschen arbeite, ist es nicht egal, ob ich einen schlechten Tag habe. Meine Frau meint, ich bin ruhiger und geduldiger geworden. 

 

Hat sich auch der von Ihnen versorgte junge Patient Michael verändert?

 

Ja, ich denke schon. Ab und zu kommt mir der Gedanke, das sei mein viertes Kind. Schon alleine, weil ich zeitlich mit ihm viel mehr zu tun habe als mit meinen Kindern. Ich wahre zwar eine professionelle Distanz, aber der Gedanke, dass Michi sterben könnte, macht mir ganz schön zu schaffen. Er ist mir schon ans Herz gewachsen. Das ist das Schöne und zugleich Problematische an einer 1:1-Versorgung.

 

Gibt es etwas, was Sie Jüngeren raten würden?

 

Erst mal einen Schritt zurückzutreten und sich das Ganze anzuschauen. Bei der außerklinischen Intensivpflege sind wir ja Gast in einer Familie. Wir müssen also nicht nur mit unserem Job und dem Patienten zurechtkommen, sondern auch mit den Angehörigen. Wir sind, bei aller Sympathie, Fremdkörper. Wobei es auch Familien gibt, von denen man sofort „adoptiert“ wird. Da ist die Gefahr natürlich groß, dass man zu sehr vereinnahmt wird. Also beobachten und langsam einfügen. Vertrauen aufbauen. Vielleicht auch die fachlichen Scheuklappen ablegen. Mal über den Tellerrand gucken. Und was oft vergessen wird, wir sind Dienstleister und so müssen wir uns letzten Endes verhalten. 

 

Was haben Sie von den Jüngeren gelernt?

 

Ich habe gelernt, dass ich alt bin. Ich reg mich nicht mehr so schnell auf. Nach all den Jahren kommt eine gewisse Routine im Umgang mit den Leuten dazu. Nicht immer sofort reagieren oder Dinge persönlich nehmen. Mir gefällt ganz gut an den Frischlingen, dass sie engagiert dabei sind und alles sofort machen wollen. Häufig entpuppt sich das leider als Strohfeuer. Deshalb muss man sie da vorsichtig ranführen. Der Pflegeberuf ist spannend und hat ein breites Spektrum, was die fachlichen Richtungen angeht. Man kann sich gut beruflich weiter entwickeln. Es gibt viele Fortbildungsmöglichkeiten. LERNEN ist etwas Persönliches! Die Weiterentwicklung. Die Identifizierung mit dem Beruf.

 

Wie funktioniert denn die Zusammenarbeit der Generationen?

 

Das Team harmoniert sehr gut. Wir sind uns alle sympathisch. Jeder hat seine Stärken und Schwächen.

 

Gibt es Dinge, auf die man achten sollte im Team?

 

Die Bedürfnisse sind unterschiedlich. Ich bin nicht mehr der große Partygänger und ich kann darauf gut Rücksicht nehmen, z. B. bei der Dienstplangestaltung. Eine Hand wäscht die andere. Die Balance wahren bei den Bedürfnissen ist für das Teamklima enorm wichtig.

 

Was wünschen Sie sich für das weitere Berufsleben?

 

Ich bin im Herbst meiner Berufskarriere angekommen. Es läuft rund und es soll weiter rund laufen. Wünsche mir weiterhin, dass meine Kollegen so offen und tolerant bleiben. Ich messe mich an der alltäglichen Zufriedenheit. Das ich gerne zum Job gehe. Die Arbeit macht mir Spaß. Motto: „Auch mal Fünfe gerade sein lassen und sich nicht alles so zu Herzen nehmen.“ 

 

Vielen Dank für das Interview.

 

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Carl Blesch

Wie lange arbeiten Sie bei der GIP?

 

2002 startete ich bei der Pro Vita – die heute GIP Bayern ist. Sonst bin ich seit meinem Studium in der Pflege aktiv.

 

Was bedeutet der Pflegeberuf für Sie? 

 

Der Pflegeberuf ist gesellschaftlich nicht so anerkannt. Und trotzdem kommt da unheimlich viel zurück. Weil du dich um Menschen bemühst, die sich in Grenzsituationen bewegen oder in existenziellen Situationen leben. Der Pflegeberuf ist ein guter Schlüssel. Deshalb wollte ich das gerne immer machen. Das hat mich immer schon interessiert, weil es in unserer Familie immer schon präsent war. Alle haben sich immer geholfen und waren füreinander da. Ich bin früh mit Pflege in Berührung gekommen. 

Leute in anderen Berufen sind oft froh, wenn das Berufsleben vorbei ist. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, nicht mehr zu arbeiten. Ich möchte auch im Rentenalter nicht damit aufhören. Man wird mit dem Alter immer besser. Man erwirbt immer mehr Fähigkeiten. Mit jedem Patienten lernt man wieder etwas dazu und wird souveräner. Insofern finde ich das auch für einen selbst die beste Gesundheitsvorsorge, immer in diesem Geben- und Nehmen-Prozess drinnen zu bleiben und eine Aufgabe zu haben. Wenn man einen Beruf hat, den man bis zum Schluss machen kann, dann ist das etwas ganz Tolles. 

 

Was hat sich verändert im Laufe Ihres Berufslebens?

 

Die Akzeptanz von Behinderten. Früher waren die Leute so distanziert. Heute sind sie besser akzeptiert und in die Gesellschaft integriert. Es gibt auch eine große Hilfsbereitschaft, z. B. wenn man in den Bus einsteigen will. Da steht sofort jemand auf und will helfen. Die Leute sind zugewandter geworden. Das ist eine schöne Veränderung. Den Menschen als Ganzes sehen.

 

In welchen Situationen ist Ihr Job schwierig?

 

Dass man alles unter einen Hut bekommt, finde ich schwierig. Das Team und die Teammitglieder, das Umfeld des Patienten, die jeweiligen Bedürfnisse. Für die Angehörigen ist die Umstellung auf die neue Situation oft schwierig. Und beim Team ist es oft schwierig, nicht in Lethargie zu versinken. Es schleicht sich schnell Gewohnheit ein. Menschen werden mit der Zeit bequem. Es ist wichtig, achtsam zu bleiben. Sich selber hinterfragen, finde ich wichtig. Die Qualität der Arbeit darf nicht nachlassen.  

 

Wann ist der Pflegeberuf am schönsten?

 

Wenn der Patient vorankommt und Lebensfreude hat. Wenn das Umfeld die Arbeit schätzt. Wenn man mit seinem Patienten immer dasselbe macht, neigt der Patient zur Lethargie. Wenn wir ungewöhnliche Sachen machen, wird er fröhlich und taut auf. Dann kommt einfach sehr viel zurück. Das finde ich toll. Auch die Veränderungen mitzuerleben. Wenn man lange bei einem Patienten ist, kann man viel bewirken. Man wird zu einem Lebensbegleiter. Man hat das Gefühl, man hinterlässt eine gute Spur. Das ist schön. 

 

Was wünschen Sie sich?

 

Sowohl in der Organisation als auch bei uns Pflegenden wünsche ich mir Flexibilität im Denken und Handeln, wenn es darum geht, die Lebensqualität unserer Patienten zu erhöhen, ungewöhnliche Denkweisen zuzulassen und neue Wege in der Pflege zu beschreiten.

 

Haben Sie sich verändert?

 

Ja, auf jeden Fall. Ich bin souveräner und nicht mehr so ängstlich. Ich kann schwierige Situationen schneller einordnen. Ich bin routinierter und werde immer besser mit dem Alter. 

Ich habe so viel erlebt, dass ich viele Sachen auch nicht mehr so wichtig nehme. Ich rege mich nicht mehr so schnell auf. Ich bin toleranter gegenüber anderen geworden und mir bewusst, dass jede Verhaltensweise eine Ursache hat. In dem Moment, in dem man nicht alles in die Waagschale wirft, kann man schwierige Situationen auch schneller wieder auflösen. Ich finde gut, dass sich Lebenserfahrung mit Berufserfahrung mischt.

 

Können Sie jüngeren Kollegen Ratschläge oder Tipps geben?

 

Dinge nicht so ernst nehmen. Die Dinge situativ sehen. Alles hat einen Grund. Zu schätzen, was man hat. 

Der Job bietet viele Freiräume. Dieser zeitliche Spielraum ist nicht selbstverständlich. Ich finde es wichtig, nicht so an den Lebenskonzepten zu kleben. Wie sich das Leben entwickeln soll zum Beispiel. Dazu neigen junge Leute oft. Als älterer Mensch habe ich oft erlebt, wie sich Konzepte aufgelöst haben. Es ist gut, ein Ziel vor Augen zu haben, was einen in Bewegung hält, aber das eigentlich Wichtige ist der Weg dorthin. 

 

Können Sie noch was von den Jüngeren lernen?   

 

Ja, es gibt ständig Veränderung. Die jungen Leute lernen heute ganz andere Dinge, z. B. viel mehr im Bereich Kommunikation. So etwas gab es ja früher nicht. Oder Pflegekonzepte. Das ist schon interessant, wenn man sich mit Jüngeren unterhält.  

 

Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

 

Wir gehen immer aufeinander zu. Man muss sich austauschen. 

 

Vielen Dank für das Interview.

 

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