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18.06.2015

Boys'Day 2015: Kinderintensivpatient und Berliner Schüler spielten gemeinsam Fußball

Im Rahmen des alljährlichen Jungenzukunftstages hatten am 23. April 2015 Jungen aus ganz Deutschland die Möglichkeit in Berufe reinzuschnuppern, die vermeintlich nur etwas für Mädchen sind, wie zum Beispiel die Pflege. Rund 31.200 Jungen nahmen bundesweit am Boys'Day teil, der zum fünften Mal stattfand. Auch drei Berliner Schüler ließen sich dieses Minipraktikum nicht entgehen und besuchten Julia und ihren sechsjährigen Sohn Karl. Die Jungen staunten, wie normal der Umgang mit einem intensivpflegebedürftigen Patienten sein kann und erlebten spätestens beim gemeinsamen Fußballspielen, dass Karl ein unbeschwertes Kind ist.

Gruppenbild vom Boys Day 2015: Leon, Ben, Karl, Julia, Ben Kaan und GIP-Mitarbeiterin Stephanie. Foto: Dario Lehner
Gruppenbild vom Boys Day 2015: Leon, Ben, Karl, Julia, Ben Kaan und GIP-Mitarbeiterin Stephanie. Foto: Dario Lehner

Die Nachfrage war groß beim diesjährigen Boys'Day. Wie jedes Jahr bot die GIP interessierten Jungen an diesem Tag Einblicke in den Alltag der außerklinischen Intensivpflege. Leon (14 Jahre), Kaan und Ben Kaan (beide 13 Jahre) sicherten sich ihre Plätze für den bundesweiten Aktionstag der Berufsfindung am schnellsten. Ben Kaan interessiert sich seit längerem für Medizin und sammelte beim Boys'Day 2014 bereits erste Erfahrungen in einer Berliner Klinik. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Menschen auch zu Hause so gepflegt werden können wie auf einer Intensivstation im Krankenhaus“, berichtete er über seine Motivation, sich auch einmal Pflege zu Hause anschauen zu wollen. 

Viele neugierige Fragen

Julia erklärt den Boys wie ein Absauggerät funktioniert. Foto: GIP-Team
Julia erklärt den Boys wie ein Absauggerät funktioniert. Foto: GIP-Team

Die drei Schüler hatten viele Fragen und begrüßten Julia und ihren Sohn Karl mit Block und Stift in der Hand. Julia gab geduldig Auskunft über Trisomie 14 und was diese seltene Form der Genmutation für sie und Karl bedeutet. Sie erklärte, was ein Tracheostoma ist oder wie das so funktioniert mit dem Sauerstoffkondensator, der Überwachung der Vitalparameter und dem Absaugen von Sekret. Julia pflegt ihren Sohn allein und wird stundenweise vom GIP-Team unterstützt. Daher konnte sie den Dreien auch fachkundig Geräte vorführen und zum Beispiel das Messen der Vitalparameter demonstrieren. Karl untersuchte alle Gäste ganz genau und bei jeder Berührung strahlte er übers ganze Gesicht. „Er braucht die Nähe und den Kontakt zu anderen Menschen, weil er sich so im Raum orientiert“, erklärt Mama Julia. 

Polizei und Pizza

Karl und Mama Julia dürfen sich das Polizeiauto von innen anschauen. Foto: GIP-Team
Karl und Mama Julia dürfen sich das Polizeiauto von innen anschauen. Foto: GIP-Team

Karl ist fasziniert von Autos und allem, was sich bewegt. Daher sind Spaziergänge mit ihm immer ein Abenteuer. Der 6-Jährige erlebte an diesem Tag allerlei Aufregung. Durch einen Parkunfall in seiner Straße kam die Polizei und Karl durfte sich das Auto mit Polizeimütze auf dem Kopf von innen genauer anschauen. Völlig aus dem Häuschen war er, als das Blaulicht angeschaltet wurde. Die Jungs freuten sich indessen über ihre Pizza und alle picknickten zusammen im Hof. Da Karl keine feste Nahrung essen kann, gab Julia ihm einen Fruchtzwerg und zeigte dabei einen Trick, damit Karl nicht ständig abgesaugt werden muss: „Ich habe ihm beigebracht, das Sekret abzuhusten. Das ist unkomplizierter und erleichtert uns beiden das Leben." 

Die schönsten Momente unseres Boys'Day 2015

Karl und Mama Julia mit GIP-Mitarbeiterin Stephanie im Gespräch. Foto: Dario Lehner
Boys'Day 2015: Leon, Kaan, Karl, Ben Kaan und Stephanie beim Fußball spielen. Foto: Dario Lehner
Karl am Ball. Foto: Dario Lehner
Karl freut sich über den Besuch. Foto: Dario Lehner
Karl mit GIP-Mitarbeiterin Stephanie. Foto: Dario Lehner
Mama Julia säubert die Trachealkanüle ihres Sohnes Karl. Foto: Dario Lehner
Julia, Karl und GIP-Mitarbeiterin Stephanie sitzen auf dem Sandkasten. Foto: Dario Lehner
Karl verabschiedet Leon mit seiner berühmten Ghettofaust. Foto: Dario Lehner
Julia führt den Boys an Leon vor, wie die Messung der Vitalparameter funktioniert. Foto: GIP-Team
Julia und Karl im Polizeiauto. Foto: GIP-Team
Ben Kaan dokumentiert den Tag für die Schule. Foto: GIP-Team
Der Sauerstoffkondensator steht für Notfälle immer bereit und wurde von Julia vorgeführt. Foto: GIP-Team

Kicken wie die Großen

Nach der Stärkung fingen die Schüler an, auf dem Hof Fußball zu spielen. Karl schaute zunächst vom Sandkasten aus zu und näherte sich dann langsam dem Geschehen. Die Jungen ermutigten ihn, mitzumachen. Erst zaghaft und später begeistert kickte er den Ball. Das machte ihm sichtlich Spaß und auch die Boys verloren zunehmend ihre Berührungsängste. „Was für ein flinkes Kerlchen“, staunte Leon. „Ich hätte nicht gedacht, dass er alles so machen kann, wie andere Kinder.“ Der normale Umgang ist auch Mama Julia wichtig: „Ich freue mich, dass die Jungen Karl lachend und fröhlich erleben. Denn so ist er. Nicht seine Einschränkungen sind wichtig, sondern unser Umgang mit ihm.“ Am Ende des Tages verabschiedete Karl die Boys mit seiner berühmten „Ghettofaust“ und entließ sie mit vielen Eindrücken aus seiner Welt.

 

Der nächste Boys'Day findet am 28. April 2016 statt. Weitere Informationen finden Sie unter: www.boys-day.de 

Informationen zur „Mosaiktrisomie“ (Trisomie 14)

Karl ist mit einer seltenen Genommutation, der Trisomie 14, geboren worden. In einigen Zellen hat er auf dem Chromosom 14 gleich drei Kopien seines Erbguts. Gleichzeitig gibt es auch einen diploiden (doppelten) Chromosomensatz, wie bei jedem gesunden Menschen. Deshalb sprechen Ärzte beim Vorliegen mehrerer Karyotypen (zweifacher und dreifacher Chromosomensatz) von der Mosaik-Trisomie. Das ist die häufigste Form der Trisomie 14. Es gibt nur wenige Kinder weltweit mit dieser seltenen Trisomie, weil die meisten bereits während der Schwangerschaft sterben. Karls Vitalwerte müssen insbesondere in der Nacht überwacht werden und bei Bedarf bekommt er zusätzlichen Sauerstoff über seine Trachealkanüle.

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