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Auf Wolke sieben

Auf Wolke sieben

Nicola Buschko ist seit einem Unfall querschnittgelähmt. Vier Jahre später springt er mit seinem Tandempartner aus einem Flugzeug und erfüllt sich einen Traum. Einfach so wie jeder andere auch.

Fallschirmsprung von Nicola Buschko im brandenburgischen Fehrbellin 2013. Foto: TAKE OFF Fallschirmsport GmbH

Ein warmer Sommertag mit perfekten Bedingungen zum Fallschirmspringen. Nico will es heute wagen. „Fliegen und Fallen: beides zum ersten Mal. Ich wollte das einfach machen, fand Fallschirmspringen schon immer cool“, erzählt der 24-Jährige schmunzelnd. „Er ist da sehr spontan“, zwinkert Vater Christian ihm zu. „Ja, genau. Ich habe den Entschluss vor zwei Wochen getroffen, im Internet recherchiert, mit Mahle (seinem Tandempartner) telefoniert und jetzt bin ich hier“, erwidert er völlig entspannt. Der junge Mann aus Berlin war immer aktiv. Vor seinem Unfall, im Sommer 2009, fuhr er Skateboard und spielte Gitarre. Die Selbstbestimmtheit ist Nico auch heute noch wichtig. Deshalb wollte er auch Fallschirmspringen ausprobieren.

Keine Berührungsängste

Zusammen mit seiner Familie, seinem besten Freund Chris und dem GIP-Team begegnet der junge Mann im brandenburgischen Fehrbellin dem erfahrenen Sprungtrainer Jürgen Mühling, von allen Mahle genannt, der mit über 10.000 Sprüngen bereits ein „alter Hase“ ist. Die Chemie zwischen den Beiden stimmt von Anfang an. „Ich wusste in dem Moment, als er mich ohne Berührungsängste anpackte, dass es funktionieren würde“, erzählt Nico. „Jeder Mensch ist individuell und es gibt keine Garantie, ob wir harmonieren. Wir werden jetzt Schritt für Schritt herausfinden, ob wir nachher zusammen aus dem Flieger springen“, entgegnet Mahle und erklärt der „Nico-Crew“ zum Einstieg wie so ein Tandemsprung funktioniert.


Der Fluglehrer nimmt sich viel Zeit für seinen Schützling. Insgesamt dauert die Vorbereitung fast vier Stunden. „Es ist wichtig, Vertrauen zueinander aufzubauen. Ich muss einschätzen können, wie Nico drauf ist, ob er meine Anweisungen begreift und wie wir zusammen funktionieren. Am Ende ist es ein Stunt, bei dem ich uns beide sicher runterbringen möchte“, fasst Mahle diesen Findungsprozess zusammen. Die Herausforderung sei Nicos geringes Gewicht und seine Größe. Mit seinen 1,88 Metern überragt er Mahle um 10 Zentimeter. Dadurch verschiebe sich der Schwerpunkt Richtung Kopf und diese Asymmetrie könne dazu führen, dass wir kippen und uns überschlagen. Daher erklärt der Trainer genau, was kurz vor dem Sprung passiert („lehne den Kopf an meine Schulter“), wie die Körperhaltung im Freifall sein soll („Bananenlage – ein Hohlkreuz ist wichtig für den Schwerpunkt“) und sagt etwas zur Atemtechnik („einfach durch die Nase einatmen – wenn das nicht klappt, dreh den Kopf zur Seite und öffne den Mund, als ob du aus einem Bach trinken würdest“).

Der große Sprung

Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko im brandenburgischen Fehrbellin 2013. Foto: TAKE OFF Fallschirmsport GmbH
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
Fallschirmsprung von Nicola Buschko in Fehrbellin 2013. Foto: Dario Lehner
 

Ritt auf dem Besen

Nico bekommt einen rot-weißen Fliegeranzug angezogen. GIP-Pfleger Jörg hantiert mit dem jungen Mann und jeder Handgriff sitzt. Mahle fragt scherzhaft, wie lange die beiden schon verheiratet seien. Die Kombi sitzt wie angegossen inklusive Flugkappe, mit der Nico laut Jörg „Quacks dem Bruchpiloten“ ähnlich sieht. Zum Schluss wird das Gurtzeug umgeschnallt und individuell angepasst. Mahle hat eine Spezialkonstruktion gebaut, die im Prinzip aus einem gekürzten Besenstil besteht, der unter Nicos Kniekehlen festgemacht wird und wie ein Flaschenzug funktioniert. Da er seine Bewegungen nicht mehr selbstständig ausüben kann, soll diese Vorrichtung den Körper in die richtige Position bringen. Einerseits wird mit dem speziellen Gurtzeug die Freifalllage modelliert und andererseits werden bei der Landung mit der Flaschenzugkonstruktion Nicos Beine nach oben gezogen. „Ich lege mich unter dich und Du landest auf mir. Wir rutschen quasi auf dem Hosenboden zurück auf die Erde“, erläutert Mahle den Landeprozess.

  • Freifall bei 200 km/h

    Dieses Abenteuer ist ein Geburtstagsgeschenk seiner Familie. Alle haben sich beteiligt. „Das Adrenalin zu spüren, wird ihm sicher gut tun“, sagt Nicos Mama. „Mittlerweile gibt es so viele Hilfsmittel, die das Leben lebenswerter machen – selbst ein Fallschirmsprung ist möglich. Ich bin froh, dass er nach seinem Unfall nicht verzweifelt, sondern nach vorne schaut. Auch wenn mir persönlich unwohl ist, überwiegt die Freude für meinen Sohn“, ergänzt sie sichtlich aufgeregt.

  • "Wenn mir hier was passiert, ist das ab jetzt meine Querschnittgeschichte. Klingt einfach besser als‚ in den See gehüpft. 4.000 Meter Luft sind stilvoller als ein halber Meter Wasser." (Nicola Buschko)

    "12 Minuten Flug, 45 Sekunden freier Fall und 5 Minuten Schirmfahrt. Soweit die Fakten. Das Gefühl aber ist unbeschreiblich."
    (Tandempartner Mahle)

Während die Nervosität bei „Nicos Crew“ kurz vor dem Abflug steigt, bleibt der 24-Jährige äußerlich gelassen. „Ich denke, er hat auch ein bisschen Schiss“, mutmaßt Chris. Die beiden kennen sich seit der 1. Klasse und sind beste Freunde. „Nico hatte eigentlich immer schon ein Faible für verrückte Dinge, auch heute noch. Es ist manchmal nicht leicht, aber er versucht trotzdem immer mit dabei zu sein. Wir gehen öfter mal weg, dahin wo was los ist. Das möchte er sich nicht nehmen lassen. Ich habe das Gefühl, dass er das Ganze gut verkraftet hat. Nur die Langeweile ist ein Problem. Aber er wird aktiver, hat eine Schule in Aussicht und heute sind wir hier“, sagt Chris.

Nicos Eltern sind glücklich, dass Chris und auch andere Freunde nach dem Unfall für ihren Sohn da waren. „Sie waren vorher wichtig für ihn und sind immer noch da, ohne Berührungsängste“, erinnert sich Papa Christian während sich alle zum 900 PS Flieger bewegen, mit dem Nico und Mahle gleich abheben werden. Dann geht alles ganz schnell: Nico wird von Papa und GIP-Pfleger Jörg auf die Einstiegsrampe gesetzt, wo ihn Mahle in Empfang nimmt. Die Motoren brummen und mit acht anderen Wagemutigen spürt Nico jede Bewegung der Maschine. Angst habe er keine, nur pure Vorfreude: „Ich bin so glücklich, dass es funktioniert und nun wirklich passiert.“ Das Adrenalin steigt und Nico spürt beim Öffnen der Luke den kalten Luftzug: „Der Freifall war actiongeladen. Ich habe erst nur Wind gefühlt und uns auf eine weiße Wolkenwand zurasen sehen. Ein paar Tropfen sind bei der Wolkendurchquerung an meiner Fliegerbrille hängen geblieben“, erinnert sich Nico. Er habe die ganze Zeit die Augen offen gehabt und sich in der Segelphase in aller Ruhe die Wälder Brandenburgs angeschaut.

Am Boden sehen alle gebannt zum Himmel und erblicken schließlich den blau-orangen Gleitschirm, der mit Nico und Mahle am Haken sanft über die Ruppiner Seen einschwebt. Die Landung klappt wie geplant und beide liegen glücklich in einem Meer aus Butterblumen. „Ich bin durch die Wolken geflogen“, erzählt Nico und auf die Frage, wie es ihm geht, antwortet er grinsend: „Super!“ Auch wenn der Spaß nur einige Minuten dauerte, steht eines fest: der nächste Sprung steigt Frühjahr 2014 und Vorfreude bleibt die schönste Freude.

GIP-Team

Weitere Informationen

Mehr zum „Take off Fallschirmsport“ in Fehrbellin erfahren Sie unter www.funjump.de. Nico möchte seiner Familie für die Realisierung eines Traums danken, Chris für den seelischen Beistand und dem GIP-Team samt Familie Stange für die logistische Unterstützung.

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