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„Es gibt immer einen Weg“

„Es gibt immer einen Weg“

Der erste Ausflug nach sechs Jahren führte Joachim Koch in den Zoopark Erfurt. Dank des Engagements seiner Familie und des GIP-Pflegeteams verlebte der Thüringer einen besonderen Tag bei alten Bekannten und blickt mit neuem Lebensmut in die Zukunft.

Der erste Ausflug nach sechs Jahren führte Joachim Koch in den Zoopark Erfurt mit Familie und GIP-Pflegeteam. Foto: Familie Koch
Der erste Ausflug nach sechs Jahren führte Joachim Koch in den Zoopark Erfurt mit Familie und GIP-Pflegeteam. Foto: Familie Koch
Gute Aussichten. Familie und Pflegeteam im Zoopark Erfurt. Foto: Familie Koch
Gute Aussichten. Familie und Pflegeteam im Zoopark Erfurt. Foto: Familie Koch

Joachim Koch ist selig. Vier Generationen, sein Pflegeteam und deren Familien begleiten den 69-Jährigen beim ersten großen Ausflug nach seinem Schlaganfall vor sechs Jahren. Damals erlitt der Thüringer einen Hirnstamminfarkt und lebt seitdem mit dem Locked-in-Syndrom (er ist bei vollem Bewusstsein in seinem Körper „eingeschlossen“, weil dieser fast vollständig gelähmt ist). Herr Koch kann sich durch einen Sprachcomputer mitteilen und äußerte den Wunsch, den Zoopark Erfurt besuchen zu wollen. Gesagt getan. Durch die straffe Organisation der Teamleiterin Katrin Stößel wurden „Nägel mit Köpfen gemacht“. „Erst ließen wir die Treppenraupe reparieren, damit Herr Koch mit dem Rollstuhl das Haus wieder verlassen konnte, dann haben wir einen Termin festgelegt an dem alle Zeit hatten und schließlich haben wir den Verein „Zurück ins Leben“ gebeten, uns beim einstündigen Transport finanziell zu unterstützen“, berichtet die Teamleiterin. „Wir sind ausgeflippt vor Freude, als es hieß: Auf  in den Zoo!“   

Ein perfekter Tag

Der Zoobesuch war für Groß und Klein ein tierisches Vergnügen. Foto: Familie Koch
Der Zoobesuch war für Groß und Klein ein tierisches Vergnügen. Foto: Familie Koch

Dem langersehnten Besuch im Erfurter Zoopark am 16. August stand also nichts mehr im Weg. „Wir hatten so ein Glück mit dem Wetter – die Sonne schien die ganze Zeit“, erinnert sich Ehefrau Roswita Koch. „Für meinen Mann war das ein perfekter Tag, weil alle gemeinsam dieses Erlebnis mit ihm geteilt haben.“ Sein Sohn mit Enkel und Urenkel sowie Teammitglieder, die nicht im Dienst waren, haben sich dieses besondere Ereignis mit ihren Familien nicht entgehen lassen. „Es gab keinerlei Berührungsängste. Der entspannte Umgang hat mich sehr beeindruckt. Herr Koch hat super mitgemacht und alle waren gut drauf“, freute sich Katrin Stößel über das gelungene Gemeinschaftserlebnis. Der Tierliebhaber hatte besondere Sehnsucht nach den Dickhäutern, seinen Lieblingstieren. Die Elefantendame „Safari“ kannte er noch von früheren Besuchen, „Akili“ und „Chupa“ begegnete er zum ersten Mal.

Gemeinsam Hürden überwinden

Gemeinsam packen wir es. Foto: Familie Koch
Gemeinsam packen wir es. Foto: Familie Koch

Das Bild der Kleinsten im Streichelzoo wird Herr Koch ebenso in Erinnerung behalten wie die Hürden eines Rollstuhlfahrers, die gemeinsam überwunden wurden. „Ein wildfremder Mann packte zum Beispiel mit an als wir mit vereinten Kräften versuchten, Herrn Koch den Berg hochzuschieben“, berichtet Katrin Stößel. „Oder als wir das Gebüsch gewässert haben“, fügt Frau Koch schmunzelnd hinzu. „Ja stimmt, wir wussten nicht, dass die Behindertentoiletten des Zoos mit einer Schließanlage ausgerüstet war, die wir nur mit dem sogenannten Euroschlüssel hätten nutzen können, den wir bis dato nicht besaßen. So entleerten wir den Beinbeutel kurzerhand in einem Busch. Manchmal muss man eben improvisieren“, erinnert sich die Teamleiterin an diese ungewöhnliche Situation.

Stabiles Pflegeteam

Gemeinsam Pause machen. Foto: Familie Koch
Gemeinsam Pause machen. Foto: Familie Koch

Dieser Ausflug wurde maßgeblich durch das Engagement des Pflegeteams ermöglicht, dem Herr Koch vertraut. „Nur innerhalb dieser stabilen Versorgungssituation konnte sich mein Mann vorstellen, loszuziehen“, berichtet Roswita Koch. „Vor einem Jahr sagte er ständig, dass er sterben wolle. Jetzt ist er entspannt und fröhlich. Wir haben gerade unseren 51. Hochzeitstag gefeiert. Mein größtes Geschenk waren seine Worte: ‚Ich kann mir vorstellen, mit Dir und diesem Team noch die Diamantene Hochzeit zu erleben.‘  Soweit in die Zukunft hat er noch  nie geblickt“, fügt sie gerührt hinzu.   

Dass der gute Gesamtzustand des Patienten viel mit einem stabilen Pflegeteam zu tun habe, bestätigt auch Katrin Stößel. „Es ist wichtig herauszufinden, was der Klient möchte und ihn ernst zu nehmen. Früher war Herr Koch oft verärgert, weil man ihn nicht für voll genommen hat. Dann hat er sich natürlich quer gestellt. Das war für alle Beteiligten keine leichte Zeit. Mit uns scherzt er herum und macht uns die Pflege leicht. Jeder von uns animiert ihn zur Verbesserung seiner Eigenbewegung. So wissen die Muskeln, dass sie noch was machen könnten“, erläutert die Teamleiterin.

Aktiv in die Zukunft

Gute Laune, gute Laune Wetter. Foto: Familie Koch
Gute Laune, gute Laune Wetter. Foto: Familie Koch

Mit einem Locked-In-Syndrom ist der Patient quasi in sich gefangen. Es ist daher wichtig, ihm Mut zu machen und trotz aller Hürden, die eigenen vier Wände immer mal zu verlassen. Damit er nicht das Gefühl hat, auch in den eigenen vier Wänden eingeschlossen zu sein. Das Team hat sich deshalb auch um monatliche Ergotherapie gekümmert und unternimmt kleinere Ausflüge mit Herrn Koch wie den Besuch der Dorfkirmes.

Die Familie ist sehr positiv eingestellt und lässt sich nicht unterkriegen. „Das wird schon wieder“, pflegt Frau Koch immer zu sagen. Alle zusammen gestalten jeden Tag mit und leben ganz nach dem Lebensmotto der Teamleiterin „Inmitten von Schwierigkeiten liegt immer eine Insel der Möglichkeiten (Albert Einstein).“ In diesem Sinne steht demnächst noch die Fahrt mit der Oberweißbacher Bergbahn an, um das Enkelkind in Sonneberg zu besuchen und nächstes Jahr freuen sich alle auf den Zoobesuch in Leipzig. Familie Koch bedankt sich bei ihrem Pflegeteam, bei der GIP und beim Verein „Zurück ins Leben“ für die Erfüllung eines Herzenswunsches.  

Informationen zum Euroschlüssel

Der Euroschlüssel wurde 1986 vom Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e. V.  (CBF Darmstadt) eingeführt. Inzwischen gibt es dieses europaweit einheitliche Schließsystem, das es körperlich beeinträchtigten Menschen ermöglicht, mit einem Einheitsschlüssel selbständig und kostenfrei Zugang zu behindertengerechten sanitären Anlagen und Einrichtungen zu erhalten. Der Euroschlüssel kann beim CBF Darmstadt zum Selbstkostenpreis von 20 Euro bestellt werden: www.cbf-da.de

Der Zoo der großen Tiere - Informationen zum Zoopark Erfurt

Tolle Einblicke in den Zoopark Erfurt sowie alle wichtigen Informationen finden Sie unter: www.zoopark-erfurt.de

Safari, gleich um die Ecke. Foto: Familie Koch
Safari, gleich um die Ecke. Foto: Familie Koch
Barrierefrei im Zoo unterwegs. Foto: Familie Koch
Barrierefrei im Zoo unterwegs. Foto: Familie Koch
Gute Laune bei den Elefanten. Foto: Familie Koch
Gute Laune bei den Elefanten. Foto: Familie Koch
Der Besuch hat sich für alle gelohnt. Foto: Famile Koch
Der Besuch hat sich für alle gelohnt. Foto: Famile Koch

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