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14.10.2013

Rechtsanspruch auf Kindergartenbetreuung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen

Rechtsanspruch auf Kindergartenbetreuung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Foto: Helene Souza/pixelio.de

Mit der Frage, in welche Kita das Kind gehen soll, beschäftigen sich die meisten Eltern schon sehr früh. Aus rechtlicher Sicht gilt ab dem 01.08.2013, dass jedes Kind ab dem ersten Lebensjahr einen Anspruch auf eine Kindergartenbetreuung hat. Für Umsetzung dieses Anspruchs sind Bund und Länder in der Pflicht.

 

Mit Beitritt zur UN-Behindertenkonvention im Jahr 2009 ist Deutschland eine zusätzliche Verpflichtung  eingegangen: die Gewährleistung der Menschenrechte für Menschen mit Behinderung. Dies beinhaltet die gleichberechtigte Teilhabe und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Im Bereich der Kinder- und Jugendbildung und – erziehung soll dies durch Inklusion erreicht werden.

Im „Handlexikon der Behindertenpädagogik“ (2006) definiert Andreas Hinz den Ansatz der Inklusion als

„...allgemeinpädagogische[n] Ansatz, der auf der Basis von Bürgerrechten argumentiert, sich gegen jede gesellschaftliche Marginalisierung wendet und somit allen Menschen das gleiche volle Recht auf individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe ungeachtet ihrer persönlichen Unterstützungsbedürfnisse zugesichert sehen will. Für den Bildungsbereich bedeutet dies einen uneingeschränkten Zugang und die unbedingte Zugehörigkeit zu allgemeinen Kindergärten und Schulen des sozialen Umfeldes (...) und damit wird dem Verständnis der Inklusion entsprechend jeder Mensch als selbstverständliches Mitglied der Gemeinschaft anerkannt.“ (Andreas Hinz in: Bleidick u. a (Hrsg.), Handlexikon der Behindertenpädagogik. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, S. 97–99)

Der theoretische Ansatz klingt – wie so oft – sehr überzeugend. Die praktische sieht leider – noch – oft ganz anders aus. Oft ist es zeit- und nervenaufreiben, für ein gesundes Kind eine Kindergartenbetreuung zu finden, die den Wünschen und Anforderungen der Eltern entsprechen. Für Eltern eines behinderten Kindes stellt sich darüber hinaus noch die Frage, ob es einen Kindergarten in der Nähe gibt, der die pädagogischen und zum Teil auch medizinischen Anforderungen des betroffenen Kindes erfüllen kann. Oft müssen lange Fahrwege in Kauf genommen werden, um einen geeigneten Kindergarten zu finden. Die individuelle Förderung des Kindes in einem Gruppengefüge muss gewährleistet werden, was nur mit entsprechend geschultem und engagiertem Personal in den Einrichtungen möglich und bisher keine Selbstverständlichkeit ist.

Zu einem bestürzenden Fazit kommt die Zeit-Autorin in ihrem Erfahrungsbericht über die Suche nach einem geeigneten Kindergartenplatz für ihr behindertes Kind: "Behinderte Menschen leben in Deutschland in einer Parallelwelt. Den Kindergarten besuchen sie oft noch gemeinsam mit den Nachbarskindern, doch spätestens in der weiterführenden Schule gehen behinderte Kinder in Sondereinrichtungen." (http://www.zeit.de/2013/34/inklusion-behinderte-kinder-kita)

Es bleibt abzuwarten, ob und wann sich die rechtlich theoretische Grundlage der Praxis annähert und somit ein begrüßenswerter Ansatz Früchte tragen wird.


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