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Reisen für alle - Deutschland setzt auf barrierefreien Tourismus

Das Wandern ist des Müllers Lust. Dabei stört es Herrn Müller zu seiner Freude immer seltener, dass er aufgrund mehrfacher Behinderung im Rollstuhl sitzt. Die Zahl behindertengerechter und barrierefreier Urlaubs- und Freizeitangebote in Deutschland nimmt zu. „Reisen für alle“ entwickelt sich immer mehr zum Reiseschlager. Die Nachfrage ist allemal da. Wir möchten Sie bei der Urlaubs- und Freizeitplanung 2015 unterstützen und gehen für Sie auf Deutschland-Tour zu besonderen Orten und Attraktionen, die ein barrierefreies Erlebnis für alle versprechen.

Dynamisch. Das neue Rollstuhl-Piktogramm. Piktogramm: Accessible Icon Projects
Dynamisch. Das neue Rollstuhl-Piktogramm. Piktogramm:  Accessible Icon Projects

Der Weg ist das Ziel, wohl keine andere Reiseweisheit beschreibt treffender die aktuelle Situation des barrierefreien Tourismus in Deutschland. „Barrierefreiheit ist eine Schlüsselaufgabe für den Deutschland-Tourismus“, postulierte die Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) 2014 in Berlin. Die politische Zielsetzung war damit klar formuliert. Allein der Weg dorthin ist noch weit, selbst wenn er von immer mehr Leuchtturmprojekten erhellt wird.

  • Anbieter erkennen das Potenzial

    Viele Regionen und Städte in Deutschland haben den barrierefreien Tourismus für sich entdeckt und bieten entsprechende Ziele an. Acht Vorreiterregionen für derartige Urlaubsangebote haben sich in der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland zusammengeschlossen. Sie gehen mit gutem Beispiel und vielen zukunftsfähigen Ideen voran (www.barrierefreie-reiseziele.de).

    Aus gutem Grund. Immerhin gelten allein in Deutschland über sieben Millionen Menschen als schwerbehindert. Hinzu kommen 17 Millionen Menschen über 18 Jahren mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder chronischen Krankheiten. Barrierefreiheit ist somit nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine gute Chance für Städte und Regionen, um sich auf dem hart umkämpften Tourismusmarkt nachhaltig zu profilieren. Darüber hinaus ergibt sich ein positiver Nebeneffekt: Was barrierefrei ist, ist auch für alle anderen Touristen bequemer erreichbar. Barrierefrei ist also nicht nur behindertengerecht, sondern zugleich familien- und seniorenfreundlich.

  • UN-Behindertenrechtskonvention

    Artikel 30, Absatz 5

    (5) Mit dem Ziel, Menschen mit Behinderungen die gleichberechtigte Teilnahme an Erholungs-, Freizeit- und Sportaktivitäten zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen,


    a) [...]
    b) [...]


    c) um sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu Sport-, Erholungs- und Tourismusstätten haben;


    d) [...]


    e) um sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu Dienstleistungen der Organisatoren von Erholungs-, Tourismus-, Freizeit- und Sportaktivitäten haben.

Einheitliche Kennzeichnung

Für die unabhängige Prüfung von Tourismuszielen auf Barrierefreiheit wurde 2013 die bundesweit einheitliche Kennzeichnung „Reisen für alle“ eingeführt. Sie wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Betroffenen- und Tourismusverbänden entwickelt und soll Gästen zukünftig als verlässliches Qualitätsmerkmal bei der Reiseplanung dienen. Bislang wurden allerdings erst rund 350 Betriebe gekennzeichnet. Sie können sich in Kürze über ihre Zertifizierung freuen. Von einem flächendeckenden barrierefreien Tourismusangebot zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen ist Deutschland also noch meilenweit entfernt. Entsprechend nüchtern bewerten wichtige Interessenvertreter wie der Verein Tourismus für Alle Deutschland e. V. - NatKo die Situation. „Die Umsetzung dieser Ziele scheitert leider viel zu oft an überwindbaren Barrieren. Für eine Menschheit, die es schon vor 35 Jahren geschafft hat, auf den Mond zu fliegen, gibt es keine unüberwindlichen technischen Hemmnisse, sondern nur fehlendes Geld, halbherzige gesetzliche Regelungen und mangelndes gesellschaftliches Bewusstsein“, äußerte sich der NatKo-Vorstandsvorsitzende Dr. Rüdiger Leidner im letzten Sommer anlässlich des 15-jährigen Vereinsjubiläums kritisch. Er spielte dabei auf die durch Deutschland ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention und den darin formulierten Anspruch von Menschen mit Behinderungen auf barrierefreie Mobilität und Nutzung kultureller und touristischer Angebote an.

Willkommen Europa

Auch innerhalb Europas will sich Deutschland stärker als attraktives Reiseziel mit vielfältigen barrierefreien Urlaubsmöglichkeiten positionieren. Man möchte 50 Millionen Europäer mit Behinderungen gern für Reisen nach Deutschland faszinieren. Vor diesem Hintergrund gab es auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB) am 6. März 2015 einen erneuten Tag des barrierefreien Tourismus. Eine gute Gelegenheit für alle Interessierten, das aktuelle Spektrum an Angeboten kennenzulernen. Wir wünschen Ihnen auf jeden Fall viele schöne Erlebnisse und eine gute Reise mit unseren Reisetipps auf der nächsten Doppelseite.

GIP-Team

Quellen für diesen Beitrag sowie weitere Informationen finden Sie im Web unter:

10.03.2015

Wo können Menschen mit Behinderungen bereits „Reisen für alle“ in Deutschland erleben? Wir möchten Ihnen sehenswerte Orte, spannende Abenteuer und unvergessliche Erlebnisse quer durch die Republik vorstellen. more

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