Main Content

25.07.2016

Augenmaß und Fingerspitzengefühl

Jede große Branche hat (leider) ihre schwarzen Schafe. Sie dauerhaft aus der Herde zu entfernen, ist Aufgabe ordentlicher Gerichte. Umso mehr, wenn es sich dabei um Pflegedienste handelt, die mit dem Leid von Patienten betrügerische Geschäfte machen. Wer sogar nicht (oder nicht ausreichend) qualifiziertes Personal in der Intensivpflege einsetzt, spielt grob fahrlässig mit dem Leben Schwerkranker. Hier sind Krankenkassen und Justiz gefordert, Patienten vor derlei kriminellen Anbietern zu schützen. 

 

Die Information der Öffentlichkeit über solche kriminellen Machenschaften ist richtig und wichtig. Erst kürzlich berichtete das ZDF-Magazin “frontal21” über den Abrechnungsbetrug eines Pflegedienstes. Allerdings haften dem Bericht mehrere “Geschmäckle” an. Bereits im Anfangsstadium der Ermittlungen wurden Ross und Reiter genannt. Zeitgleich (und ganz zufällig?) mit Staatsanwaltschaft und Polizei war ein TV-Team des ZDF zugegen als die Geschäftsräume der verdächtigen Firma durchsucht wurden. 

 

Das deutsche Rechtssystem geht aus gutem Grunde von der Unschuldsvermutung aus: Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung. In besagtem Fall befinden sich die Ermittlungen aber erst im Anfangsstadium! Die Staatsanwaltschaft hat nicht einmal Anklage erhoben. Justitia ist aus gutem Grunde blind. Auch wenn die Vorwürfe ungeheuerlich erscheinen, sollte an diesem altbewährten Grundsatz nicht gerüttelt werden. 

 

Wenige Tage nach der Sendung musste “frontal 21” einräumen, dass die in einem Fall erhobenen Vorwürfe gegen eine gesetzliche Krankenkasse falsch waren. Die entsprechende Passage wurde aus Manuskript und TV-Beitrag in der Mediathek entfernt. Der bittere Beigeschmack bleibt. Auch in einem weiteren Fall bedurfte es im Nachhinein redaktioneller “Korrekturen”, da es sich eben nicht um einen russischen, sondern um einen deutschen Pflegedienst handelte! 

 

Zwischen (zulässiger) Verdachtsberichterstattung und (unzulässiger) Vorverurteilung ist es nur ein schmaler Grat, von dem Journalisten und auch “tippgebende” Strafverfolger leicht abstürzen können. Die Folgen für alle Ehrlichen sind fatal und vor allem von Dauer. Augenmaß und Fingerspitzengefühl sind die Gebote der Stunde. Schuldsprüche gehören in Gerichtssäle – nicht auf die Mattscheibe! 

 

 

Kritischer Gastbeitrag eines Journalisten und Medienexperten


Marginal Content

Wir sind für Sie da

Juliane Mehner
Leiterin Marketing
030/232 58 - 751
E-Mail schreiben

Unser soziales Engagement

Sie interessieren sich für das soziale Engagement der GIP? 

 

Jetzt informieren!

You can find this page under: http://www.gip-intensivpflege.de/en/ueber-die-gip/pflegenews/augenmass-und-fingerspitzengefuehl/© GIP Gesellschaft für medizinische Intensivpflege mbH 2011