Autofahren mit Behinderung

Mobiler Schlüssel zum selbstbestimmten Leben

Alles über Voraussetzungen, Gutachten und und notwendige Umrüstungen für den Führerschein

Jan ist 33. Seit einem schweren Badeunfall ist er querschnittgelähmt und tracheotomiert. Er lebt in Leipzig, sitzt im Rollstuhl und wird rund um die Uhr von einem GIP-Pflegeteam betreut. Trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen ist er stolz auf sein eigenes Leben. Er wohnt in einer eigenen Wohnung und ist im Alltag viel in seiner Heimatstadt unterwegs – sein eigener PKW macht es möglich.

Das Auto bedeutet ein selbstbestimmtes Leben

Jan fährt einen VW, mag als bekennender Autofan aber durchaus auch schnellere Wagen. Ein Blick auf sein Profil in einem großen sozialen Netzwerk zeigt, für welche getunten, PS-starken Modelle sein Autofahrerherz schlägt.

Der eigene Wagen gehört für Jan zu einem unabhängigen und selbstbestimmten Leben dazu. Er kommt überall hin und kann an Barrieren, die für andere Rollstuhlfahrer ein Ärgernis darstellen, ganz locker vorbeifahren. Schwierigkeiten gibt es nur, wenn wieder einmal alle Behindertenparkplätze belegt sind.   

Mit dem eigenen Fahrzeug zurück ins Leben und zum Beruf

Wie unzählige andere Menschen mit und ohne Behinderung nutzt Jan sein Auto regelmäßig für alles, wofür man ein Auto heutzutage im Alltag ebenso braucht. Er besucht Freunde, fährt in den Urlaub, erledigt Einkäufe oder düst mal eben zur nächsten Therapie.

 

Voraussetzungen für den Führerschein trotz Behinderung

Das Führen eines eigenen Fahrzeugs bedeutet für Jan, genauso wie für viele andere Menschen mit Behinderung, ein kostbares Mehr an Freiheit, Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Um trotz Handicap einen Führerschein neu erwerben oder einen vor dem Eintreten der Behinderung erlangten Führerschein weiter nutzen zu können, müssen allerdings verschiedene Gutachten und Nachweise erbracht werden.

Genauso war es auch bei Jan. Er hatte bereits vor seinem Unfall einen Führerschein, musste allerdings nach seinem Badeunfall Nachweise erbringen und Gutachten vorlegen, dass er auch mit Querschnittlähmung weiter Autofahren kann und fahrtauglich ist. Dann konnte er wieder losfahren.

 

Wer finanziert Menschen mit Handycap das Auto?

Der eigene PKW macht das Leben mit Querschnittlähmung in vielen Situationen leichter und manche Wege überhaupt erst möglich. Finanziell unterhalten muss jeder sein Fahrzeug selbst. Das ist der Preis der Unabhängigkeit, aber er lohnt sich.  

Kranke oder behinderte Menschen die ein eigenes Fahrzeug benötigen um den Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu erreichen, können nach § 20 SchwbAV (Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabeverordnung) Kraftfahrzeughilfen erhalten und zusätzliche Hilfen beantragen.

Notwendige Gutachten, Prüfung und Entscheidung

Je nach Art der Behinderung gehören ein ärztliches sowie ein medizinisch-psychologisches Gutachten, das Eignungsgutachten eines Sachverständigen zum Führen eines Kraftfahrzeuges, ein Gutachten nach § 11 Fahrerlaubnisverordnung (FeV) mit Fokus auf die Technik und nötige Fahrzeugänderungen sowie eine Fahrprobe.

Ob eine Mensch mit Handicap seine Fahrerlaubnis absolvieren oder seinen Führerschein wiedererlangen kann, das entscheidet letztlich die zuständige Behörde - konkret die Führerscheinstelle. Dazu nimmt sie die vorgelegten Gutachten genau unter die Lupe und bestimmt, ob und welche Auflagen oder Einschränkungen mit der Fahrerlaubnis verbunden sind. Nur bei nachgewiesener Nichteignung kann die Behörde eine Fahrerlaubnis verweigern.

Wer bestimmt, welche Umrüstungen notwendig sind?

Welche Umbauten jeweils im Einzelfall nötig sind, das ermitteln Sachverständige z. B. vom TÜV oder der DEKRA. Die Experten legen in ihrem Gutachten genau fest, welche technischen Hilfsmittel benötigt werden, damit das Fahrzeug bestmöglich vom Betroffenen genutzt werden kann.

Alle Umbauten am Kraftfahrzeug müssen vorher von einem Sachverständigen abgenommen und im Fahrzeugbrief/-schein vermerkt werden. Empfehlenswert ist zudem mit Blick auf die Kostenträger eine Begutachtung verbunden mit einem Eintrag in den Führerschein.

Nach Durchführung der Umbauten erfolgt eine erneute Begutachtung. Wurden alle technischen Anpassungen fachgerecht vorgenommen, geben die Sachverständigen grünes Licht und eine gültige Betriebserlaubnis für das umgebaute Fahrzeug.

 

 

Im Falle eines Unfalles

Ist ein Autofahrer mit Behinderung in einen Unfall verwickelt, muss er – unabhängig von der Schuldfrage – häufig nachweisen, dass das umgebaute Fahrzeug sicher ist und er das Auto ohne Gefährdung anderer führen kann. 

Mit einem freiwilligen Gutachten und dem damit verbundenen Eintrag in den Führerschein ist er hier auf der sicheren Seite, so dass die Beweispflicht bei der Gegenseite liegt und diese beweisen muss, dass der Fahrer mit Behinderung trotz umgerüsteten PKW nicht sicher fahren konnte. Wird einer Behörde eine Behinderung z. B. nach einer Polizeikontrolle oder einem Unfall bekannt, kann sie in jedem Fall eine Begutachtung anordnen.

Wer macht behindertengerechte KFZ-Umrüstungen?

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl behindertengerechter Umrüstsysteme für fast alle gängigen Fahrzeugtypen und Fabrikate.

Sie werden von spezialisierten PKW-Firmen, im Fall von Jan war es die Warmuth Mobile GmbH in Zeulenroda-Triebes, ins eigene Fahrzeug eingebaut.  

Das Fahrzeug behindertengerecht umrüsten

Die speziellen Umrüstungen reichen vom Handbediengerät für Gas und Bremse über einen Griffknauf, der als Lenkhilfe ans Lenkrad montiert wird, bis hin zu einem Kassettenlift, einer Rollstuhl-Transportsicherung und einer 6-Wege-Fahrersitzverstellung.

Beachten Sie, dass Kostenträger wie Krankenkasse oder Arbeitsamt Zuschüsse nur für im Führerschein als erforderlich eingetragene Umbauten gewähren. Andere Hilfsmittel müssen Betroffene selbst zahlen.

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