Erwacht aus dem Wachkoma

GIP-Neujahrsgeschichte

Der geheimnisvolle Patient

Ein unbekannter Mann fällt nach einem Unfall ins Wachkoma. Niemand weiß, wer er ist oder wo er herkommt. Keiner glaubt an seine Genesung. Doch das GIP-Pflegeteam der Wohngemeinschaft für Intensivpflege und Beatmung in Rosenheim gibt nicht auf und päppelt den unbekannten Patienten wieder auf. Der glückliche Ausgang beweist, dass das Leben die unglaublichsten Geschichten schreibt.

Wer ist dieser Mann?

 

Morgens 10 Uhr – irgendwo in Deutschland auf der Autobahn: Ein polnischer LKW steht auf dem Parkplatz, die Tür ist geöffnet. Das Fahrzeug scheint verlassen. Bei näherem Hinsehen entdeckt man einen leblosen Körper, der neben der geöffneten Fahrertür liegt.

Der Notarzt rückt an und stellt fest, dass die Person am Leben ist. Allerdings ist sie bewusstlos und nicht ansprechbar. Erste lebensrettende Maßnahmen werden getroffen. Wer ist diese Person? Im Führerhaus des LKWs werden entsprechende Dokumente gefunden. Es handelt sich um den 52-jährigen Marek (Name geändert). Weitere Informationen gibt es nicht. Marek  wird in das nächste Klinikum gebracht, wo man eine Gehirnblutung diagnostiziert. Sein Leben wird gerettet, doch er liegt ab sofort im Wachkoma.

Keine Aussichten auf Genesung

Neurologische Früh-Reha-Maßnahmen werden zeitig abgebrochen, da man keine Erfolgsaussichten annimmt. Im Zuge der klinischen Behandlung zieht sich Marek zudem mehrere multiresistente Keime zu, u.a. Clostridien, die zu massiven Durchfällen führen. Marek wird aus der Klinik entlassen und in die von der GIP Bayern betreute Wohngemeinschaft nach Rosenheim-Aising verlegt.

Fortan kämpft das Pflegeteam der GIP Bayern um Mareks Leben, der aufgrund der Durchfälle immer mehr an Gewicht verliert. Sämtliche der üblichen Maßnahmen (Immodium, Perenterol, Vancomycin, etc.) führen nicht zum gewünschten Erfolg. Aber wie sagt man?

 

"Wenn nichts mehr hilft, dann hilft Bananensaft!"

Diese eher unübliche Methode führt doch glatt zum Erfolg. Doch trotzdem ist Marek nach wie vor komatös. Und dann … drei Monate nach seiner Aufnahme betritt Schwester Sabine (Name geändert) das Zimmer. Marek ist wach! Er fixiert sie mit seinen Augen. Sein Blick spricht Bände: "Wo bin ich? Was ist passiert? Wer bin ich? Warum ist alles so komisch? Warum verstehe ich niemanden? Warum kann ich mich nicht richtig bewegen? Was hab ich da im Hals? Woher kommen die ganzen Schläuche?" Im Bett liegt ein Häufchen Elend, allein in einem fremden Land, keinerlei Zuversicht, keine Perspektive, keinen Cent in der Tasche, deprimiert.

Für das GIP-Pflegeteam ist klar: Marek muss raus aus dem Bett. Fortan wird er konsequent mobilisiert und in den WG-Alltag integriert. Zunehmend wirkt er orientierter. Die Kontaktaufnahme klappt immer besser – anfangs über Mimik und Gestik. Im weiteren Verlauf dann auch sprachlich. Marek versteht Deutsch.

Mareks Ernährung läuft, wie verordnet, über eine PEG-Sonde. Der Bananensaft erzielt die gewünschte Wirkung: Marek ist durchfallfrei. Mit zunehmend verbessertem Ernährungs- und Allgemeinzustand wird der nächste Schritt mit dem HNO besprochen. Es steht die Frage im Raum, ob Marek sich auch oral ernähren kann.

 

Ein Blick sagt mehr als tausend Worte

 

Mareks Kanüle wird entblockt. Vorsichtig werden gemeinsam die ersten Essversuche unternommen: Kartoffelpüree. Und siehe da: Marek kann essen! Und wenn er essen kann, dann kann er vielleicht auch trinken? "Mögen Sie Kaffee?", fragt ihn die Pflegerin. Ein strahlendes Gesicht ist die Antwort, gefolgt von einem eindeutigen Nicken. Und siehe da, auch Trinken ist möglich.

Nach und nach werden weitere Mobilisationsmaßnahmen begonnen. Mobilität mit dem Rollstuhl und Stehen auf einem Bein sind möglich, genauso wie erste Schritte, selbständiges Waschen des Gesichts, des Oberkörpers und des linken Armes nach Anleitung.

 

Familienzusammenführung zu Weihnachten

 

Dann steht Weihnachten vor der Tür. Weihnachtszeit ist Plätzchenzeit. Vielleicht will Marek uns ja beim Backen helfen? Fleißig sticht er Plätzchen aus, wobei auch der Teig lecker zu schmecken scheint.

Mit zunehmender Mobilisierung kommen bei Marek immer mehr kognitive Fähigkeiten zurück und damit auch leider viele Gedanken und Alltagssorgen. "Was passiert mit mir? Wie wird es weiter gehen? Wo ist meine Familie? Warum kümmert sich niemand um mich oder besucht mich?"

Dann ein Anruf … Mareks Bruder aus Polen ist am Telefon. Niemand wusste, dass er überhaupt einen hat. Der Bruder spricht Englisch mit dem Pflegeteam und erzählt, dass er erst jetzt, nach fast einem Jahr, endlich herausgefunden hat, wo sein Bruder abgeblieben ist. Das Team erfährt weitere persönliche Dinge und macht einen Besuchstermin aus.

Bereits am nächsten Tag treten Mareks Bruder, seine Mutter, seiner Schwester und sein Schwager die weite Reise aus Polen an. Marek wird darüber informiert. In diesem Moment fängt er an zu sprechen: "Mein Bruder kommt!" Dies waren die ersten Worte seit seinem Unfall.

Der Tag ist da. Mareks Familie klingelt an der WG-Tür. Das Pflegeteam öffnet und heißt seine Angehörigen herzlich willkommen. Teamleitung Schwester Monika (Name geändert) geht voraus in den ersten Stock, um Marek auf das Kommende vorzubereiten. Was dann passiert, gehört mit zu den emotionalsten Erlebnissen ihrer Laufbahn. Allen voran betritt Mareks Bruder das Zimmer, dicht gefolgt vom Rest der Familie. Marek sieht zur Tür. Dann liegen sich alle schluchzend in den Armen. Seine Mutter weint vor Glück. Der verlorene Sohn ist wieder da!

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