Intensivpflege in der Corona-Krise

Ein Corona-Erfahrungsbericht aus der Pflege: Bier gegen Desinfektionsmittel

Das Hilfsmittel-Wunder vom Landkreis Berchtesgadener Land

Der Corona-Ausbruch stellte Deutschland vor bisher unbekannte Herausforderungen. Sonst ständig verfügbare Pflege-Hilfsmittel, wie Kittel, Masken oder Desinfektionsmittel, waren plötzlich extrem knapp. Um die Hilfsmittel-Versorgung in der Gesundheitsbranche auch im eingetretenen Katastrophenfall sicherzustellen, wurden Hilfsmittel zentral organisiert. Sie sollten im Land durch die Kommunen nach einem Bedarfsschlüssel verteilt werden. Das Problem: An die ambulante Intensivpflege mit ihren wenigen Patienten pro Region hatte dabei keiner gedacht. Engagierte und unbürokratische Hilfe kam in dieser Situation vom kleinen Landkreis Berchtesgadener Land. Wir sind dafür unendlich dankbar.

Hilfsmittelverteilung: Ambulante Intensivpflege fällt durch das Raster

 

Wir als GIP sind ein bundesweit tätiger Intensivpflegedienst. Unsere Pflegekräfte versorgen im gesamten Bundesgebiet zahlreiche intensivpflegebedürftige und beatmungspflichtige Menschen. Runtergebrochen auf einzelne Regionen und Kommunen sind das dann allerdings immer nur wenige Patienten. Da die Verteilung der Hilfsmittel in der Corona-Krise jedoch regional bzw. kommunal organisiert war und sich am Bedarf in einer Region oder Kommune orientierte, fielen wir als bundesweiter Intensivpflegedienst häufig durch das Raster. Mit der Folge, dass die Versorgungen der GIP bis auf kleinere Lieferungen bei der Verteilung der zentral organisierten Hilfsmittel weitgehend vergessen wurden. Diese negative Erfahrung mussten wir in den vergangenen Monaten leider immer wieder machen. Bis zum heutigen Tage haben wir daher im aktuellen Corona-Ausnahmezustand Schwierigkeiten, den Hilfsmittelbedarf für die Pflege unserer Patienten zu decken.

 

Um die Behörden auf diesen akuten Missstand aufmerksam zu machen, nahmen wir Kontakt zu diesen auf. Häufig blieben unsere Anfragen allerdings ohne konkrete Antwort oder wir wurden auf die einzelnen Kommunen verwiesen. Für unser Verwaltungsteam bedeutete es allerdings einen riesigen Bürokratieaufwand, sämtliche Kommunen anzufragen, in denen wir Patienten versorgen – und das unter den schwierigen Corona-Arbeitsbedingungen sowie vor dem Hintergrund der überall laut verkündeten unbürokratischen Notfallhilfe!

 

Intensivpflege in der Corona-Krise: Eine kleine Region zeigt großes Engagement

 

Dass es in der Corona-Krise auch ganz anders geht, erfuhren wir zu unserer großen Freude ganz im Süden Deutschlands, im wunderbaren Berchtesgadener Land. Es war der 25. März 2020, als sich die Freiwillige Feuerwehr (FFW) Ainring erstmals in der von uns betreuten Wohngemeinschaft Piding meldete. Bereits kurze Zeit später standen die Katastrophenschützer mit dringend benötigten Desinfektionsmitteln vor der Tür.

 

Während des Lockdowns sorgten die Kollegen von der FFW gemeinsam mit Herrn Stefan Fellner von der Heimaufsicht im Landratsamt Berchtesgadener Land sowie dem Technischen Hilfswerk (THW) zuverlässig dafür, dass die Wohngemeinschaft immer ausreichend mit notwendigen Hilfsmitteln ausgestattet war.

 

Im Zuge der Corona-Lockerungen erhielten wir dann vor wenigen Wochen allerdings die Nachricht, dass die Belieferung mit Hilfsmitteln durch den Katastrophenschutz demnächst eingestellt werden würde. Die GIP bzw. GIP Bayern müsse sich daher wieder selbst um ihren Hilfsmittelbedarf kümmern. Kein leichtes Unterfangen, in Anbetracht der nach wie vor großen Lieferengpässe bei vielen Pflegehilfsmitteln.

 

Wenig später kam jedoch ein überraschender Anruf vom Katastrophenschutz. Wir wurden noch einmal persönlich darüber informiert, dass das Hilfsmittellager des THW für den Landkreis Berchtesgadener Land geschlossen wird - unmittelbar gefolgt von der unerwarteten Frage: „Was brauchen Sie?“ Unsere Antwort viel nach einem kurzen Blick auf die nach wie vor fast leeren Hilfsmittelregale in der WG Piding nicht schwer: „Wir nehmen sehr gerne alles, was wir kriegen können!“

 

Eine wertvolle Spende in einer schwierigen Situation

 

Der Katastrophenschutz bot uns ein größeres Volumen an Desinfektionsmitteln als Spende an. Wir willigten sehr dankbar ein und überlegten augenblicklich, wie wir den Helden von FFW und THW für ihre engagierte Arbeit während der Corona-Krise danken könnten. Die Wahl fiel natürlich auf das bayerische Nationalgetränk und so wurden kurzerhand fünf Kästen Bier als flüssiges Dankeschön besorgt.

 

Vor wenigen Tagen standen dann die Katastrophenhelfer der Freiwilligen Feuerwehr Ainring mit der versprochenen Spende vorerst zum letzten Mal vor unserer Tür. Sie übergaben die hochwillkommenen Desinfektionsmittel an unser glückliches Team. Freudenstrahlend nahmen sie im Gegenzug unser flüssiges Dankeschön an. Damit waren sie für das nächste Feuerwehrfest nach dem Corona-Ausnahmezustand bestens gerüstet.

 

Danksagung an unsere Corona-Helden

 

Wir danken den unermüdlichen Katastrophenschützern von der Freiwilligen Feuerwehr Ainring sowie vom Technischen Hilfswerk im Landkreis Berchtesgadener Land. Unser ganz besonderer Dank geht an Herrn Stefan Fellner von der Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen - Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA) im Landratsamt Berchtesgadener Land für die Vermittlung von Hilfsmitteln wie Masken, Handschuhe oder Desinfektionsmittel. Vor allem auf Grund seines unermüdlichen Engagements konnten wir die Patienten in der WG Piding auch während der Corona-Krise gut versorgen.

 

Vor dem Hintergrund unserer vielfach negativen Erfahrungen mit der Hilfsmittelversorgung während der Corona-Krise sind wir total überwältigt, was ein kleiner Landkreis alles auf die Beine stellen kann, um die Pflege auf kommunaler Ebene sicherzustellen. Gerade in vielen größeren Städten nicht nur in Bayern stellte sich die Situation für GIP und GIP Bayern sowie für ihre Pflegekräfte und damit auch für die jeweils versorgten schwerkranken Patienten sehr viel schwieriger dar. Hier erhielten wir im Rahmen der Hilfsmittelverteilung, wie beschrieben, oft nur sehr wenige Hilfsmittel. Nur durch eigenes Engagement und unermüdliches Nachfragen bei unterschiedlichen Behörden, Ansprechpartnern und Organisationen konnten wir die Hilfsmittelversorgung in der Corona-Krise sicherstellen.

 

Zum Hintergrund: Die von der GIP pflegerisch betreute Wohngemeinschaft Piding gehört zum Landkreis Berchtesgadener Land. In diesem Landkreis stellte das Technische Hilfswerk (THW) das Zentrallager für die Hilfsmittel während Corona-Krise. Die Freiwillige Feuerwehr und das THW übernahmen mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern die Verteilung an die Pflegeeinrichtungen in der Region.

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Herzlichen Dank an die unermüdlichen Katastrophenschützer der Freiwilligen Feuerwehr Ainring sowie des THW im Berchtesgadener Land.
Die Katastrophenhelfer der Freiwilligen Feuerwehr Ainring laden eine großzügige Desinfektionsmittelspende aus dem Fahrzeug.
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