Klinische Studien zum Wachkoma

Wachkoma-Patienten: Klinische Studien bringen neue Erkenntnisse

In Deutschland gibt es jedes Jahr mindestens 1000 neue Wachkoma-Patienten. Viele dieser Patienten sind in Wirklichkeit bei minimalem Bewusstsein, ohne dass dies von außen erkennbar wäre.

Nach einer schweren Hirnschädigung sprechen Experten vom Syndrom der reaktionslosen Wachheit (SRW). Umgangssprachlich wird das auch Wachkoma genannt. Patienten mit dieser Diagnose öffnen zwar wieder die Augen, lassen aber weder Bewusstsein noch Kontaktfähigkeit erkennen.

Wachkoma oder SMB?

Einige Wachkoma-Patienten zeigen jedoch minimale Wahrnehmungen, wie zum Beispiel gezielte Augenbewegungen. Dieser sogenannte minimale Bewusstseinszustand wird auch Syndrom des minimalen Bewusstseins (SMB) genannt.

Dieser wird bei bis zu 40 Prozent aller Betroffenen von Angehörigen und Ärzten aber nicht erkannt. Die Betroffenen werden daher häufig nicht ausreichend therapiert.

In der derzeitigen klinischen Versorgungsrealität sei die Abgrenzung zwischen Wachkoma und SMB durchaus schwierig, sagt der DGKN-Experte Dr. med. Andreas Bender vom Therapiezentrum Burgau.

Elektrophysiologische Studie liefert neue Erkenntnisse

In einer aktuellen Studie zeigt das Forscherteam um Bender, dass elektrophysiologische Verfahren solche Fehldiagnosen reduzieren können. Dabei werden Patienten dazu aufgefordert, sich bestimmte Bewegungen, zum Beispiel Laufen, vorzustellen. Gleichzeitig wird bei den Teilnehmern die elektrische und chemische Interaktion der Gehirnzellen gemessen.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass 10 bis 24 Prozent der Wachkoma-Patienten solche Aufgaben befolgen können. Sie gelten daher nicht als Wachkoma-Patienten sondern als SMB-Patienten. Trotz der gründlichen standardisierten Untersuchung.

 

Fehldiagnosen können schwerwiegende Folgen haben

Für die Therapie eines SMB-Patienten kann eine solche Fehldiagnose aber schwerwiegende Folgen haben. Die Ärzte versuchen nur noch das Leiden des vermeintlichen Wachkoma-Patienten zu reduzieren, anstatt sämtliche therapeutischen Möglichkeiten auszuschöpfen. „Wir vermuten, dass viele SMB-Patienten, die für Wachkoma-Patienten gehalten werden, unter der fehlenden persönlichen Ansprache leiden“, so Bender weiter.

 

Neurophysiologie ermöglicht neue Therapieansätze

Mit diesem zurzeit allgemein anerkannten Handeln für die Wachkoma-Diagnose lassen sich solche Bewegungsvorstellungen nicht nachweisen, da die Methode eine tatsächliche körperliche Patientenbewegung erfordert. Dennoch wird an der Handlungsweise nichts geändert.

Viele Patienten sind bei Bewusstsein, haben allerdings keinerlei Zugriff auf ihr motorisches System. Für diese Patienten ist das neurophysiologische Verfahren besser geeignet. Um diese Vorgehensweise korrekt anzuwenden, bedarf es jedoch einer speziellen Ausbildung, die von der DGKN angeboten wird.

Ein Teil der Wachkoma-Patienten hat in einer Patientenverfügung den Willen geäußert, dass lebenserhaltende Maßnahmen eingestellt werden sollen, wenn sie aller Wahrscheinlichkeit nach ihr Bewusstsein niemals wiedererlangen werden. Auch diese Patientenverfügungen könnten durch Einführung einer neuen standardisierten Untersuchungsmethode differenzierter und präziser geschrieben werden. Denn nur so können sie die individuellen Wünsche des Verfügenden berücksichtigen.

Die verschiedenen Arten des Komas

Koma – Bewusstlosigkeit mit verschlossenen Augen

Wachkoma (SRW) – Augen geöffnet, unfähig zu kommunizieren

Syndrom des minimalen Bewusstseins (SMB) – eingeschränkte aber eindeutige Zeichen von Bewusstsein

Locked-in Syndrom (LiS) – Zählt nicht zu den Bewusstseinsstörungen, kann aber leicht als solche Fehldiagnostiziert werden. Patienten sind sich ihrer Umwelt völlig bewusst, können sich aber nicht bewegen. 

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