Reisen mit Beatmung

Unvergessliche Reise nach New York City

Ihre erste Reise mit Beatmung führte Katharina nach New York. Zusammen mit ihren Eltern erkundete sie die weltoffene Metropole und gibt Tipps, was beatmete Reisefreudige bei ihrer Planung beachten sollten.

Jetzt oder nie

Einmal das glitzernde New York zur Weihnachtszeit besuchen – das war seit vielen Jahren der Traum der 28-jährigen Katharina und ihrer Eltern. „Unsere Tochter war in den letzten vier Jahren zu krank für so eine lange Reise. Das haben wir uns einfach nicht getraut“, erzählt Mutter Sabine.

„Als sich ihr Zustand im Herbst dann stabilisierte, dachten wir, jetzt oder nie und haben spontan Flüge gebucht“, freut sie sich über diese gute Entscheidung.

So ein riesiger Aufwand

Nur sechs Wochen Zeit blieb der Familie, um alle Vorbereitungen zu treffen. Da sie zum ersten Mal mit Beatmung reisen wollten, waren mehr Formalitäten zu beachten, als erwartet. „Zum Glück kannte sich unser Reisebüro mit Intensivpatienten gut aus und wusste, woran wir zu denken hatten“, erinnert sich Katharinas Mutter.

 

Formulare, Dokumente, Arztbriefe, Atteste, Genehmigungen, Medikamente, Übersetzungen

Bevor es so richtig losgehen konnte, mussten viele Formulare ausgefüllt, Dokumente besorgt und Anträge gestellt werden. Das Landesamt für Gesundheit musste beispielsweise die Mitnahme des notwendigen Morphiums genehmigen, Ärzte mussten die Beatmungspflicht attestieren und alle Medikamente mussten originalverpackt in Zip-Tüten verstaut werden. Sieben Seiten Fragebogen sollten dem medizinischen Dienst der Fluggesellschaft beantwortet werden. Alle Dokumente wie Arztbriefe, Atteste oder Genehmigungen wurden vorab von Katharinas Vater ins Englische übersetzt.

„Was für ein riesiger Aufwand für sieben Tage Urlaub. Das hätte ich ohne meine Eltern nie hinbekommen“, berichtet Katharina dankbar. „Sie haben alles, was ich für meine Gesundheit benötige, im Handgepäck mitgenommen – zusätzliche Akkus für die Beatmungsmaschine, Reisestecker und -trafo zur Stromumwandlung von 110 V auf 220 V, damit das Beatmungsgerät benutzt werden kann und allerlei Ersatzhilfsmittel. 18 Kilo Handgepäck – das war schon verrückt.“

 

Und als Transferauto? Eine Stretch-Limo!

Am 7. Dezember war es dann soweit. Die Drei landeten in New York City und erlebten die erste große Überraschung. Als Transferfahrzeug erwartete die Familie eine weiße Stretchlimousine. Ein wenig geschockt versuchten sie, sich in das enge Gefährt zu quetschen. Als Beifahrer nahm der Rollstuhl Platz, ein Koffer passte in den Kofferraum, der andere musste mit auf die Rückbank. Dieser etwas andere Behindertentransport sorgte für viel Gelächter bei Familie Kirch.

 

Keinen festen Plan

Katharina hatte große Angst vor der Reise. Davor, dass sie keine Luft bekommen würde. Sie hatte anfänglich Probleme, sich auf die Stadt einzustellen. Die Winterkälte bereitete ihr Schmerzen, die aber mit dem Morphium erträglich wurden. Ihre Eltern hatten viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen, sich zum Beispiel über Kliniken in der Nähe informiert oder das Hotelpersonal instruiert, die Stromzufuhr nicht zu unterbrechen, damit die Akkus stets geladen werden können. Ihr Papa erinnert sich, dass seine Tochter am 1. Tag mit dem Körper, am 2. Tag mit der Seele und am 3. Tag mit dem Herzen angekommen sei. Das war für alle eine große Erleichterung und so stand einem unbeschwerten New York-Besuch nichts mehr im Wege.

 

Leider nicht barrierefrei

Die Familie hatte sich nichts vorgenommen, wollte sich keinen Druck machen und die Dinge entstehen lassen. Katharina hatte sich mitten in der Stadt ein zentrales Hotel ausgesucht, so dass alle Aktivitäten fast ohne öffentliche Verkehrsmittel bewältigt werden konnten, da es in New York leider nur wenige barrierefreie U-Bahnhöfe mit Fahrstühlen gibt. „Ich bin total aufgefallen, weil ich zwar sechs Millionen New Yorkern begegnet bin, aber kaum Rollstuhlfahrer gesehen habe“, erinnert sich Katharina. „Alle haben mich gefragt, wo ich herkomme, wie es mir geht und ob mir die Stadt gefällt. Diese Offenheit hat mich begeistert und ankommen lassen.“

 

Tausende Lichter

Neben den gewaltigen Straßenzügen mit Häusern, die nicht enden wollen, waren die Drei auch beeindruckt vom Time Square, der Freiheitsstatue und vom Empire State Building, die tatsächlich so aussehen wie im Fernsehen. Die Stadt war weihnachtlich geschmückt und natürlich zog es die Familie auch viele Male zum Weihnachtsbaum am Rockefeller Center. Gerade in der Nacht kamen die 45.000 Lichter besonders gut zur Geltung. Ein Highlight der Reise war der Musicalbesuch „Chicago“ am Broadway. Es war eine spezielle Erfahrung, wie unterschiedlich Menschen aus sich herausgehen können.

„Dagegen sind wir Deutschen langweilig“, bemerkt Katharina scherzhaft. „Die Leute dort sind voll mitgegangen, aufgesprungen, haben getanzt, mitgebrüllt und geklatscht. Das war schon genial.“

Besonders berührt waren Katharina und ihre Eltern von der Gedenkstätte „Ground Zero“, die an die Terrorangriffe am 11. September 2001 erinnerte. „Wie die Leute in Orginaltonaufnahmen Abschied von ihren Liebsten genommen haben – da standen uns allen die Haare zu Berge“, berichtet Mutter Sabine. „Wir haben danach sicher eine halbe Stunde nicht miteinander sprechen können, um diese Eindrücke zu verarbeiten.“

 

Rückkehr geplant

Die Familie ist dankbar und glücklich, dass sie diese Reise zusammen erleben konnte. Sie hat jeden Moment genossen und kann nur allen empfehlen, jede Reisechance zu nutzen. Katharina hat es so gut gefallen, dass sie bereits angefangen hat zu sparen – für eine Rückkehr nach New York im Sommer.

Diese Höhe ist so beeindruckend!

"Die Stadt an sich ist schon sehenswert, weil man diese Straßenzüge mit solchen riesen Häusern nicht kennt.

Das Empire State Building fanden wir sehr beeindruckend. Der Time Square und der Broadway sind so wie im Fernsehen. Die Leute stehen dort an wie früher im Osten. Es ist überall voll und die Leute stehen an, ganz geduldig, freundlich, lachend in der Kälte. Da waren wir sprachlos."

Sabine Kirch, Mutter von Katharina

Wir kleben überall Zettel hin

"Wir schauen immer im Vorfeld, wo eine Klinik in der Nähe ist. Damit man dann nicht kopflos rumrennt. Für uns war wichtig, dass das Reisebüro Erfahrung mit Intensivpatienten hat. Damit wir gut beraten werden.

Vor Ort sprechen wir immer mit dem Hotelpersonal und kleben überall Zettel hin, damit die Stromzufuhr nicht unterbrochen wird und nichts am Bett verstellt wird. Sonst können beispielsweise die Akkus nicht geladen werden." 

Sabine Kirch

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