Pflegezimmer in der außerklinischen Intensivpflege richtig einrichten

Planung, Lage, Raumgestaltung und Förderung: Wie richtet man eine Pflegezimmer am besten ein?
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Pflegezimmer einrichten: Die wichtigsten Hinweise auf einen Blick

  • Das Pflegezimmer ist für intensivpflegebedürftige Menschen ein wichtiger Aufenthaltsort. Sie verbringen viel Zeit darin.
  • Ein Pflegezimmer sollte gleichzeitig ein funktionales Krankenzimmer und ein Ort zum Wohlfühlen sein.
  • Das Zimmer sollte so eingerichtet sein, dass die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt werden und sich der Pflegebedürftige darin wohlfühlt, und Geborgenheit erfährt.
  • Gleichzeitig sollte der Raum so praktisch eingerichtet sein, dass die Pflege und alle damit verbundenen Aufgaben gut durchgeführt werden kann. 
  • Die Planung eines Pflegezimmers ist Teamarbeit. Im Mittelpunkt der Planung steht der pflegebedürftige Mensch mit seiner Erkrankung und seinen körperlichen Einschränkungen. Aber auch die Angehörigen sowie Pflegekräfte bzw. der versorgende Pflegedienst sollten Ideen, Wünsche, Empfehlungen und Erfahrungen einbringen können. Sind für das Pflegezimmer Umbaumaßnahmen notwendig, sollten im Vorfeld Beratungsmöglichkeiten z. B. Wohnberatungsstellen genutzt werden.

Was sollten Sie bei der Planung eines Pflegezimmers berücksichtigen?

Die ideale Lage eines Pflegezimmers
  • Ob Wohnung oder eigenes Haus, häufig kann für die Einrichtung eines Pflegezimmers nicht zwischen verschiedenen Räumen gewählt werden.
  • Das Pflegezimmer sollte gerade bei mobilen Pflegebedürftigen in der Nähe der nächsten Toilette oder des Badezimmers liegen. Auch die Küche oder das Wohnzimmer sollten möglichst nahe am Pflegezimmer liegen, um ein Alltagsleben zu ermöglichen. Entspannend ist ein Blick aus dem Fenster ins Grüne. 
  • Der Zugang zum Zimmer sollte möglichst barrierefrei ohne Treppenstufen oder Schwellen und durch eine möglichst breite Türöffnung (mindestens 90 cm Breite sowie 205 cm Höhe) erfolgen. Optimal ist ein Raum im Erdgeschoss. So können mobile Pflegebedürftige das Pflegezimmer selbstständig betreten und verlassen. Auch ein Transport im Rollstuhl ist so ohne Hindernisse möglich. Die Zimmertür sollte auch von einem Rollstuhl aus leicht zu öffnen sein.
  • Mag der Pflegebedürftige Ruhe oder ist er lieber von Mitmenschen und Geräuschen umgeben? Je nachdem sollte das Pflegezimmer z. B. in der Nähe von gemeinsam genutzten Räumen wie der Küche sowie mit einem Fenster zur belebten Straße gelegen sein. Pflegebedürftige sollten auf Wunsch einfach am alltäglichen Familien- und Gemeinschaftsleben teilnehmen können.
  • Vor dem Hintergrund regelmäßiger Hitzeperioden im Sommer sollte das Zimmer einfach zu lüften und z. B. durch Rollläden gut zu kühlen sein. Genauso wichtig ist eine gleichmäßige Beheizbarkeit in den kalten Monaten.
Welche Räume sind als Pflegezimmer geeignet?

Größere Räume sind als Pflegezimmer besser geeignet als kleine Räume. Der Raum sollte genügend Platz für die medizinischen und pflegerischen Hilfsmittel sowie für die benötigten Möbel bieten. Da das Pflegezimmer für viele Pflegebedürftige der hauptsächliche Aufenthaltsort ist, empfiehlt sich ein größeres Zimmer. Experten empfehlen 15 bis 23 Quadratmeter. Mehr Platz bedeutet mehr Lebensqualität und stärkt das Wohlbefinden. Gleichzeitig sollte das Zimmer ein heller Raum sein, da auch Licht und Helligkeit positive Wirkungen auf den pflegebedürftigen Menschen haben.

 

Noch ein Hinweis: Die Verordnung über bauliche Mindestanforderungen für Alten(wohn)heime und Pflegeheime sieht für Pflegezimmer eine Mindestgröße von 12 Quadratmetern vor. Kleine sollte auch ein häusliches Pflegezimmer nach Möglichkeit nicht sein.

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Empfehlungen für die Raumgestaltung eines Pflegezimmers

Bei der Raumgestaltung des Pflegezimmers sollten sowohl Aspekte des Wohlbefindens, des persönlichen Einrichtungsgeschmacks und der Gemütlichkeit als auch Aspekte der Funktionalität berücksichtigt werden.
Welcher Bodenbelag ist geeignet?

Teppiche und Auslegware sind als Bodenbelag in Pflegezimmern ungeeignet. Geeignet sind feste Bodenbeläge wie Fliesen, Linoleum, Laminat oder Parkett. Diese sind nicht so wohnlich, lassen sich aber besser reinigen und sind auch für das Verschieben von Pflegebetten oder die Nutzung von Rollstuhl oder Gehilfen geeignet. Allerdings sollte der Boden nicht rutschig sein. 

Welche Farben sollten an die Wände?

Warme Wandfarben schaffen eine behagliche Atmosphäre im Pflegezimmer. Bei der Farbwahl sollte das Sehvermögen des Pflegebedürftigen berücksichtigt werden. Bei Sehbeeinträchtigungen sollten keine zarten Pastelltöne, sondern eher kräftigere Farben verwendet werden. Auch eine Motivtapete beispielsweise mit Naturmotiven ist denkbar und gibt dem Raum eine besondere Atmosphäre. Bei liegenden Pflegebedürftigen kann auch die Zimmerdecke gestrichen werden. 

Welche Beleuchtung ist für das Pflegezimmer optimal?

Ein Pflegezimmer benötigt eine einfach zu bedienende Beleuchtung mit einer gleichmäßigen Leuchtdichteverteilung. Am besten sollte die Beleuchtung vom Bett aus bedienbar sein. Die Leuchtmittel sollten allerdings möglichst hell und trotzdem blendfrei sein, damit der pflegebedürftige Mensch alles gut sehen kann. Das Licht sollte warm-weiß oder neutral-weiß sein, da Menschen mit zunehmendem Alter den blauen Lichtanteil nur noch eingeschränkt wahrnehmen. Mit Blick auf die Barrierefreiheit sollte bei Patienten mit eingeschränktem Sehvermögen die Beleuchtungsstärke dimmbar gesteigert werden können. 

 

Für Bewohnerzimmer in Pflegeheimen gibt die VDI-Richtlinie 6008 „Barrierefreie Lebensräume“ Empfehlungen für die Beleuchtung. So sollte es ein Pflegelicht in ca. 85 cm Höhe über dem Boden, ein direktes Lese- und Arbeitslicht auf Liege- und Leseebene, ein Wohnlicht sowie ein indirektes Nacht-Aufstehlicht in Bodennähe und ein indirektes Nacht-Übersichtslicht fürs Pflegepersonal geben.

Welche Möbel gehören in ein Pflegezimmer?
  • Ein Pflegebett setzt sich aus einem Grundgestell inklusive Bettkasten, einem verstellbaren Kopf und Fußteil sowie einer in der Höhe verstellbaren Liegefläche zusammen. Es sollte zudem über Rollen und ausziehbare Fallschutzlatten an beiden Längsseiten verfügen. Funktionen wie die Höhenverstellbarkeit oder das Anklappen machen ein ergonomisches Arbeiten am Bett möglich. 
  • Pflegebetten sind Medizinprodukte. Damit ein Pflegebett bei der gesetzlichen Krankenkasse beantragt und bewilligt werden kann, muss es bestimmte Bedingungen erfüllen. Diese werden im Sozialgesetzbuch (SGB) XI definiert.
  • Das Pflegebett sollte so aufgestellt werden, dass der Pflegebedürftige sowohl zum Fenster als auch zur Zimmertür schauen kann. Um das Bett herum sollte eine großzügige Freifläche für Pflegetätigkeiten aber auch für die Platzierung einer Hebevorrichtung gelassen werden. Das Pflegebett ist das Zentrum des Pflegezimmers und sollte von drei Seiten zugänglich sein. Gleichzeitig sollte der Pflegebedürftige vom Bett aus mit Blickkontakt mit seinen Gästen kommunizieren können.
  • Bei bettlägerigen Pflegebedürftigen können in einem rollbaren Nachttisch mit einer ausziehbaren Ablage wichtige und notwendige Dinge aufbewahrt werden. 
  • Bei der Auswahl eines passenden Schrankes für das Pflegezimmer sollte vor allem auf die einfache Zugänglichkeit geachtet werden. Ist der Pflegebedürftige noch mobil, sollten die persönlichen Dinge gut erreichbar im Schrank platziert werden. Auch die Ablage von Pflegeutensilien sollte geplant werden. 
  • Sieht der Pflegebedürftige gern fern, sollte ein Fernsehgerät im Pflegezimmer installiert werden. Dieser kann an der Wand montiert oder aber auch auf einem passenden Unterregal platziert werden, der zusätzlich Stauraum für Gegenstände bietet
  • Offene Möbel wie Regale können Pflegebedürftige, die noch selbst mobil sind, in ihrer Selbstständigkeit unterstützen.
  • Eine Kommode bietet unauffällig Platz für benötigte Medikamente und Pflegematerialien. 
  • Bei der Einrichtung des Pflegezimmers sollte auch an mögliche Besucher gedacht und ein entsprechender Platz vorgesehen werden. Ein kleiner Tisch mit bequemen Stühlen ermöglicht Besuchern einen angenehmen Aufenthalt. Tisch und Stühle sollten so ausgerichtet sein, dass ein Blickkontakt zum Pflegebedürftigen einfach möglich ist.
  • Durch dekorative Elemente, Fotos, einzelne Lieblingsmöbel oder die gut sichtbare Platzierung von Gegenständen und Erinnerungsstücken mit hohem persönlichem Wert für den Pflegebedürftigen erhält das Pflegezimmer einen individuellen Stil. Alles sollte so platziert werden, dass es leicht gereinigt werden kann. Auch Zimmerpflanzen tragen zu einem schönen, behaglichen Pflegezimmer bei. Große Familienfotos an der Wand vermitteln dem Pflegebedürftigen Nähe zur Familie und können die Erinnerung fördern. Der Einsatz von Raumdüften kann die Atmosphäre im Pflegezimmer beeinflussen.
  • Ein Telefon, eine Klingel, ein Notrufknopf oder auch ein Babyfon am Bett ermöglichen dem pflegebedürftigen Menschen eine unkomplizierte und schnelle Kommunikation.
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Welche Förderungen oder Zuschüsse können bei der Einrichtung eines Pflegezimmers genutzt werden?

Es gibt verschiedene finanzielle Zuschüsse für die Einrichtung eines Pflegezimmers. Die Höhe hängt häufig vom Pflegegrad ab. Beantragt werden müssen diese zumeist bei der Pflegekasse. In der außerklinischen Intensivpflege unterstützt das Case Management bei der Beantragung der finanziellen Hilfen.

 

So werden die Kosten für Pflegehilfsmittel wie Hebehilfen oder das Pflegebett übernommen. Auch für Baumaßnahmen bzw. Wohnraumanpassungen können Zuschüsse beantragt werden. Hierbei handelt es sich um Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen. Die Zuschüsse sollten vor dem Umbau beantragt werden.

 

Sollten die Einrichtung des Pflegezimmers nicht mit den Leistungen aus Pflegekasse und Krankenversicherung sowie den eigenen finanziellen Mitteln finanziert werden können, kann über den Träger der Sozialhilfe „Hilfe zur Pflege“ gemäß SGB XII (Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch) in Anspruch genommen werden.