Schädel-Hirn-Verletzungen

Schädigungen des zentralen Nervensystems (ZNS)

Rund 270.000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr Schädel-Hirn-Verletzungen. Diese können zahlreiche Ursachen haben und den Betroffenen ganz unerwartet treffen. Sei es durch äußere Ereignisse wie Unfälle oder innere Ursachen wie Blutungen oder Infarkte. Symptome müssen rechtzeitig erkannt werden. Schnelles Handeln ist lebensnotwendig.

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Das Gehirn ist die Schaltzentrale unseres Körpers. Alle Informationen werden dort verarbeitet und das Verhalten koordiniert. Dieses zentrale Nervensystem in unserem Kopf besteht hauptsächlich aus Nervengewebe. 145 Mal könnte man die 5,8 Millionen Kilometer langen Nervenbahnen um die Erde wickeln. 100 Milliarden Nervenzellen, die durch etwa 100 Billionen Synapsen (Kontaktstelle zwischen zwei Nervenzellen, die der Reizübertragung dient) eng miteinander verbunden sind, steuern alle Prozesse des Menschen. Dieser sensible Bereich muss besonders geschützt werden. Daher ist unser Gehirn als einziges Körperteil fast vollständig von Knochen umgeben. Dieser Schutz kann gleichzeitig zur tödlichen Gefahr werden, da Blutungen und Schwellungen sich innerhalb des Schädels ausbreiten, das Hirn einklemmen und schwere Schäden verursachen können.

 

Möglichkeiten der Schädigungen sind vielfältig

Traumatische Ursachen als auch schadhafte Gefäßprozesse

Schädigungen des ZNS (Zentralnervensystem) können verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet einerseits in äußere (traumatische) Verletzungen, die beispielweise durch einen Unfall verursacht werden können und das sogenannte Schädel-Hirn-Trauma (SHT) zur Folge haben. Andererseits können innere (vaskuläre) Ursachen dazu führen, dass Gefäße verschließen oder reißen und es zu Einblutungen oder Verschlüssen kommt, wodurch Gehirnzellen absterben können.

Sowohl traumatische Ursachen als auch schadhafte Gefäßprozesse führen zu Schädigungen des Gehirns. So vielseitig die Ursachen auch sein mögen, sie haben alle eines gemeinsam: Das Leben des Betroffenen ändert sich schlagartig. Je nach Schwere der Verletzung und Schnelligkeit der Frühversorgung, sind die Auswirkungen unterschiedlich stark und können von einer Gehirnerschütterung ohne bleibende Schäden bis hin zum Tod reichen.

Beispiel für vaskuläre Ursachen: Schlaganfall (Apoplex)

Bei einem Schlaganfall kommt es zu einem plötzlich einsetzenden Ausfall bestimmter Funktionen des Gehirns. Typisch für den Schlaganfall ist das plötzliche Auftreten von Lähmungen, eine Unsicherheit beim Gehen oder auch Seh- und Sprachstörungen.
Ursachen

Durchblutungsstörungen

70 bis 80% aller Schlaganfälle werden durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn verursacht. Dabei werden ein oder mehrere Blutgefäße durch Ablagerungen an den Innenwänden der Arterien oder durch Blutgerinnsel eingeengt oder sogar vollends verschlossen. Die betroffenen Gehirnregionen werden dadurch nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und somit geschädigt. Es kommt zum Absterben von Nervenzellen. Ablagerungen können durch Rauchen, Diabetes, Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum, andauernden Stress und Bewegungsmangel entstehen. Daher steigt das Risiko eines Schlaganfalls mit zunehmendem Alter. Die Hälfte aller Schlaganfall-Patienten ist älter als 75 Jahre. 

Ruptur eines Gefäßes

Bedingt durch die Ablagerungen in den Gefäßen, wird ihr Durchmesser stetig geringer und das Blut benötigt mehr Druck, um hindurch zu gelangen. Die Folge ist eine Hypertonie (Bluthochdruck), wodurch das Gefäß platzen kann. Das Risiko einer Ruptur steigt bei einem vorhandenen Aneurysma um ein Vielfaches.

Als Aneurysma bezeichnet man eine Erweiterung der arteriellen Gefäße, die platzen können und damit innere Blutungen verursachen. Ursächlich dafür sind schwache Gefäßinnenwandzellen (Endothel-Zellen). Gehirnaneurysmen können tödliche Hirnblutungen verursachen. Die Blutung geht mit plötzlichem schwerstem Kopfschmerz, Nackensteifheit und Bewusstseinsstörungen einher. Sie kann zu schwersten dauerhaften Gehirnfunktionsstörungen und zum Tod führen. Man geht davon aus, dass 60 bis 70 % der Patienten an diesen Hirnblutungen sterben, zehn Prozent behalten keine neurologischen Ausfälle zurück. Der Rest muss mit neurologischen Schädigungen wie vollständiger Lähmung/Halbseitenlähmung, Sprachverlust oder anderen Hirnschäden rechnen. Frauen sind von Aneurysmen häufiger betroffen als Männer (5:3).

Warnzeichen

In vielen Fällen kommt ein Schlaganfall nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigt sich durch Warnzeichen an. Dazu gehören:

  • kurz andauernde Lähmung,
  • Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte
  • kurzes Erblinden auf einem Auge (Amaurosis fugax) oder Sehstörungen (doppelt sehen)
  • kurzzeitige Sprachstörungen Drehschwindel, Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen,
  • plötzliche Stürze
  • plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen
  • vorübergehende Bewusstseinsstörungen oder Desorientierung in Bezug auf Raum, Zeit oder Personen
Prognose/Auswirkungen

Innerhalb von vier Wochen nach einem Schlaganfall versterben 20% der Patienten, innerhalb eines Jahres 37%. Etwa die Hälfte der Schlaganfall-Patienten, die überleben, bleiben aufgrund der dauerhaften Schäden pflegebedürftig oder schwerstbehindert. Hierzulande ist der Schlaganfall die häufigste Einzelursache für Pflegebedürftigkeit. Das Ausmaß und die Schwere der Beeinträchtigungen hängen in erster Linie davon ab, welche Gehirnregionen betroffen und wie stark sie durch den Schlaganfall geschädigt worden sind.

Die meisten Patienten sind durch den erlittenen Schlaganfall in erheblichem Maße körperlich behindert. Nach einem Schlaganfall bleiben die betroffenen Bereiche des Gehirns häufig dauerhaft geschädigt und führen beim Patienten zu Lähmungen, Bewegungsstörungen, Sprachstörungen und anderen Beeinträchtigungen. Allerdings können verloren gegangene Fähigkeiten unter Umständen zumindest teilweise wiedererlangt werden. In diesem Fall können durch intensives Training andere intakte Bereiche des Gehirns die Funktion der geschädigten Areale übernehmen. 

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Beispiel für traumatische Ursachen: Schädel-Hirn-Trauma

Verletzung des Schädels mit Hirnbeteiligung

Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist die häufigste Todesursache vor dem 45. Lebensjahr in Deutschland. Mehr als die Hälfte aller Opfer von Verkehrsunfällen erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma. Menschen erleiden Kopfverletzungen bei Unfällen, häufig bei Haushaltsunfällen (z.B. Sturz von einer Leiter), Sportunfällen (z.B. Zusammenstoß mit anderen Menschen) Arbeitsunfällen oder Verkehrsunfällen (Aufprall auf einen unbewegten Gegenstand). Helme (z. B. Fahrradhelm, Skihelm, Kletterhelm und so weiter) können das Risiko stark vermindern. Mehr als 4.000 Patienten jedes Jahr werden als dauerhaft Geschädigte zu Langzeitpflegefällen. Insbesondere ist festzustellen, dass das Schädel-Hirntrauma bei Kindern bis 15 Jahren mit Abstand die häufigste Todesursache ist und die schwere Schädel-Hirnverletzung die häufigste Todessache des unter 45-jährigen ist.

 

Als Schädel-Hirn-Trauma (auch SHT) bezeichnet man jede Verletzung des Schädels mit Hirnbeteiligung. Isolierte Schädelfrakturen oder Kopfplatzwunden werden nicht als SHT bezeichnet. Das Schädel-Hirn-Trauma ist eine lebensbedrohende Verletzung, die durch eine Gewalteinwirkung auf den Kopf, zum Beispiel durch einen Schlag, Sturz oder Aufprall verursacht wird. Dies kann zu einem Schädelbruch, einer Gehirnerschütterung, einer Hirnprellung, einer Hirnschwellung (Ödem) sowie zu Blutungen im Gehirn führen, die direkt oder bis zu 48 Stunden nach der Verletzung auftreten können. Daraus können – je nach Schwere der Verletzung - mehr oder weniger starke Schädigungen des Gehirngewebes resultieren. Jeder Patient mit SHT sollte 48 Stunden im Krankenhaus überwacht werden (auch wenn lediglich ein SHT 1. Grades, also eine Gehirnerschütterung, vermutet wird). 

 

Einteilung der Schweregrade von Schädel-Hirn-Traumata

Je länger die Bewusstseinsstörung desto schwerer die Hirnverletzung

Allgemein gilt: je länger die Bewusstseinsstörung desto schwerer ist die Hirnverletzung. Mehr als Dreiviertel (ca. 80%) der in eine Klinik überwiesenen SHT-Patienten haben ein leichtgradiges SHT, das ohne weitere Folgen bleibt. Weitere 10% sind mittelschwer betroffen und weitere 10% schwer. Die Schwere eines Schädel-Hirn-Traumas wird nach dem Punktwert in der Glasgow-Coma-Skala (GCS) eingeteilt. In dieser Skala erhält der Patient für bestimmte Reaktionen Punkte. Überprüft werden die Bewusstseinslage (einschließlich Sprache und Gedächtnis), die Funktion der Hirnnerven (Auge, Ohr, Mimik, Zunge und Rachen) sowie der Bewegungsfähigkeit (Kraft, Koordination) und der Sensibilität. Kriterien sind Augenöffnen, verbale Reaktion auf Ansprache und motorische (Bewegungs-)Reaktion.

 

Die GCS Skala wird im Krankenhaus als Instrument der Verlaufsbeobachtung eingesetzt. Stündlich werden die Werte überprüft, deren Veränderung immer auch eine neue Diagnostik nach sich ziehen (z.B. verschlechtern sich die Reaktionen, sind ggf. neue Hirnregionen betroffen und müssen behandelt werden.) Aus den Beobachtungen ergibt sich ein Wert zwischen 3 und 15 mit dem sich die Bewusstseinslage gut beschreiben lässt. Die Punkte werden für jede Rubrik einzeln vergeben und anschließend addiert. Die maximale Punktzahl ist 15 (bei vollem Bewusstsein), die minimale 3 (bei tiefem Koma). Bei 8 oder weniger Punkten ist von einer sehr schweren Funktionsstörung des Gehirns auszugehen.

Leichtes bis schweres Schädel-Hirn-Trauma

Differenzierung nach GCS Skala
Leichtes Schädel-Hirn-Trauma: GCS 15 bis 13 – SHT 1. Grades (Gehirnerschütterung)

Leichte Hirnverletzung mit akuter, vorübergehender Funktionsstörung des Gehirns, die mit sofortiger kurzfristiger Bewusstlosigkeit von einigen Sekunden bis zu maximal zehn Minuten einhergeht. Hirngewebsschädigungen liegen nicht vor. Ein SHT ohne Bewusstlosigkeit, als Zeichen der Hirnbeteiligung, wird als Schädelprellung bezeichnet. Weitere typische Symptome sind retrograde Amnesie (Gedächtnislücke für das Unfallereignis und einen Zeitraum vor dem Unfallgeschehen), Übelkeit und/oder Erbrechen.

 

Eine anterograde Amnesie (Gedächtnisverlust für die Zeit nach dem Unfallgeschehen) tritt selten auf und ist in der Regel Zeichen einer höhergradigen Hirnschädigung. Neurologische Ausfälle treten nach Abklingen der Bewusstlosigkeit nicht auf. Beschwerden wie etwa Apathie, Leistungsminderung, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit können im Rahmen eines so genannten postkommotionellen Syndroms mehrere Wochen fortbestehen. Es sind keine Spätfolgen zu erwarten.

 

Nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma kann es unter anderem zu diffusem Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, rascher Ermüdbarkeit und Reizbarkeit, Apathie sowie zu vermehrtem Schwitzen kommen. Diese Allgemeinbeschwerden treten häufig auf, bilden sich jedoch nach einigen Wochen allmählich vollständig zurück. Die Rückbildung der Symptome bei einer Gehirnerschütterung kann 10 bis 25 Tage dauern, in minderschweren Fällen 3 bis 7 Tage. Sie wird unterstützt durch Ruhe, Vermeiden von Fernsehen, Lärm und Stress.

Mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma: GCS 12 bis 9 – SHT 2. Grades (Gehirnprellung)

Beim SHT II hält die Bewusstlosigkeit länger als 15 Minuten an und kann bis zu 60 Minuten dauern. Es folgt meist eine Erinnerungslücke bis zu 8 Stunden oder ein Verwirrtheitszustand bis zu 24 Stunden. Die GCS-Werte liegen bei 9 – 13. Neurologische Symptome bilden sich langsam über Monate zurück; Spätfolgen sind häufig nachweisbar. Der Patient muss in der ersten Zeit nach dem Unfall beobachtet werden, um mögliche Komplikationen nicht zu übersehen. Bewiesen ist eine Hirngewebsverletzung, wenn ein bildgebendes Verfahren (CCT, MRT) herdförmige Veränderungen (Blutung, Ödem) darstellt.

 

Es ist wichtig den Verlauf genau zu beobachten. Da der Hirndruck steigen kann und sich der Grad des Schädel-Hirn-Traumas verschieben kann. Treten eines oder mehrere der folgenden Symptome auf, kann dies ein Hinweis auf eine schwerwiegende Komplikation sein, die dringend fachärztlicher Abklärung bedarf:

 

  • Kopfschmerzen, die im Verlauf stark zunehmen
  • Übelkeit/Erbrechen, wenn sie erneut einsetzen
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
  • klare oder wässrige Flüssigkeit tritt aus Nase und Ohr
  • Bluterguss unter den Augen
  • Schielen Pupillendifferenz (Anisokorie) - unterschiedlich große Pupillen auf der rechten und linken Seite
  • Bewusstlosigkeit
  • Erinnerungslücken (Amnesie)
  • visuelle Halluzinationen (Photopsien)
  • Krämpfe oder sonstige neurologische Ausfallerscheinungen
  • Insgesamt stark gestörte Funktion von Atmung, Herz und Kreislauf (lebensbedrohlich)

 

Die Pupillendifferenz und zunehmende Bewusstseinsstörungen sind besondere Warnzeichen, da sie Hinweise auf eine Blutung innerhalb des Schädels sein können.

Schweres Schädel-Hirn-Trauma: GCS 8 bis 3 – SHT 3. Grades (Gehirnquetschung)

In dieser schwersten Verlaufsform dauert die Bewusstlosigkeit länger als 60 Minuten und verursacht die Einklemmung des Gehirns durch Blutungen, Ödeme oder ähnliche Vorgänge. Der GCS-Wert liegt zwischen 3 und 8. Bei solchen schweren Schädel-Hirn-Traumen bleiben fast immer Schäden bestehen. Nach schwerer Hirnschädigung werden psychische Veränderungen jeden Grades beobachtet. Der Häufigkeit nach finden sich bei der posttraumatischen Hirnleistungsschwäche Störungen des Gedächtnisses, Störungen der Aufmerksamkeit, Störungen der Konzentration, Kopfschmerzen, Reizbarkeit. Man spricht wegen des umfassenden Symptomkomplexes auch von einem "organischen Psychosyndrom".

 

Konzentrationsschwierigkeiten zeigen sich darin, dass zumeist nicht mehr zwei Tätigkeiten gleichzeitig erledigt werden können oder die Aufmerksamkeit bereits nach kurzer Zeit erlischt. Die Geschwindigkeit der Denkabläufe verlangsamt sich. Fast alle Schädel-Hirn-Verletzten haben eine reduzierte Dauerbelastbarkeit, das heißt, sie ermüden vorzeitig und müssen mehr Ruhepausen einlegen als vor dem Unfall.

 

Lern- und Gedächtnisstörungen werden besonders nach einer Schädigung der linken Gehirnhälfte gesehen. Eine Gedächtnisstörung (Amnesie) kann sich sowohl in der Unfähigkeit äußern, sich an Vergangenes zu erinnern, als auch neue Gedächtnisinhalte zu speichern. Der Patient hat Schwierigkeiten beim Einprägen neuer Informationen. Oft ist die Fähigkeit, sich neue Namen oder Terminen zu merken, beeinträchtigt. Störungen der Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung treten vor allem in der Frühphase nach dem Unfall zusammen mit Sprachstörungen auf.

 

Durch die Störungen des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit kann es zu Orientierungsstörungen kommen. Der Patient ist sich über Zeit, Ort und Situation, in der er sich befindet, nicht oder nur unzureichend im Klaren. Oft kann er keine Angaben zur eigenen Person machen. Die Patienten haben häufig Probleme Ereignisse zeitlich einzuordnen. Dies bezieht sich sowohl auf Ereignisse aus der Vergangenheit als auch auf solche, die in der Zukunft liegen.

 

Die Stimmung von Menschen mit schweren Hirnverletzungen kann starken Schwankungen unterliegen, die Betroffenen sind häufig leichter reizbar als vor dem Unfall. Neben Auffälligkeiten im Gefühlsbereich zeigen sich auch Störungen im Sozialverhalten. Die meisten Patienten mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma werden auf einer neurochirurgischen oder neurologischen Intensivstation behandelt. Der Patient muss intensiv überwacht werden. Eine Kontrolle der Herztätigkeit, des Blutdruckes, der Atmung und der Temperatur sowie, bei Erhöhung des Schädelinnendrucks, eine dauernde Hirndruckmessung sind lebensnotwendig. Die eventuelle künstliche Beatmung dient dazu, einen bedrohlichen Sauerstoffmangel im Gehirn zu vermeiden.

 

Von den Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma versterben 30-40% in den ersten zwei Wochen, 2-14% verbleiben in einem posttraumatischen vegetativen Zustand, der als Koma bezeichnet wird. Hat der Patient die Augen zeitweise geöffnet, kann aber nichts fixieren und kehren seine geistigen Funktionen nicht wieder, spricht man von einem Wachkoma (Coma vigile). Da dem Betroffenen die bewussten geistigen Funktionen verloren gegangen sind, er sozusagen „ins Leere“ schaut, spricht man auch von „Seelenblindheit“. Obwohl Ärzte davon ausgehen, dass Wachkoma-Patienten bewusstlos sind, zeigen sie zum Teil dennoch Reaktionen auf Außenreize. Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass bei vielen Wachkoma-Patienten bestimmte Hirnteile nach wie vor aktiv sind. Die Frage, ob und wie viel der Betroffene von der Außenwelt wahrnimmt, kann bislang nicht beantwortet werden. Dieser Zustand kann bestehen bleiben oder sich im Laufe der Zeit verändern. Eine Prognose ist hierzu am Anfang meist nur sehr schwierig zu stellen. Eine frühzeitige und intensive Rehabilitation verbessert die Chancen auf eine weitgehende Wiederherstellung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Patienten und Angehörigen müssen jedoch sehr viel Zeit und Geduld mitbringen, da die Rehabilitation oft Monate oder Jahre dauern kann. In besonders schweren Fällen sind kaum noch Verbesserungen möglich.

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Untersuchungsmethoden bei Schädel-Hirn-Verletzungen

Computertomogramm (CT)

Um eine Schädigung des Gehirns festzustellen, wird bei allen schwereren Verletzungen/Erkrankungen ein Computertomogramm (CT) des Schädels angefertigt. Das CT dient auch zur Verlaufskontrolle von Schwellungen, Nachblutungen oder Infarkt nach Gefäßverletzung. Das Hirnödem erreicht erst nach 8 – 12 Stunden sein Maximum und kann vorher übersehen werden. Besonders wichtig ist eine Verlaufskontrolle bei einem intraduralen Hämatom, das heißt bei einem Bluterguss innerhalb der Dura (äußere Hirnhaut). Dasselbe gilt bei einem Hirnödem beziehungsweise bei Anzeichen eines solchen wie einem Druckanstieg im Schädel.

 

Magnetresonanztomografie (MRT)

Die Magnetresonanztomografie (MRT) wird bei schweren Schädel-Hirnverletzungen zur Diagnose von Schädigungen (Läsionen), Quetschungen, Durchblutungsstörungen (Ischämien) des Gehirns durchgeführt. Kleine oder für das CT ungünstig (d.h. knochennah) gelegene Hirnkontusionen sind oft nur mittels MRT erkennbar. Die MRT dient auch im späteren Verlauf bei Zweifeln dem Nachweis von Hirngewebsdefekten, Glianarben oder Ablagerungen im Hirngewebe nach Verletzungen. 

 

Elektroenzephalogramm (EEG)

Mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) werden die Hirnströme, also die Funktion des Gehirns gemessen (Frage nach epileptischen Anfällen, Prüfung der Reaktion auf Außenreize beim schweren SHT).

 

Evozierte Potentiale

Nervenbahnen werden auf ihre Durchlässigkeit überprüft. Auge, Ohr und Haut werden elektrisch gereizt. Reaktionen darauf lassen auf Störungen an bestimmten Schaltstellen schließen. Besonders sensorisch evozierte Potentiale (SEP) und akustisch evozierte Potentiale (AEP) erlauben oft Aussagen zur Prognose beim schweren SHT.

Therapie bei Schädel-Hirn-Verletzungen

Abhängig von Schweregrad

Je nach Ursache und Ausmaß der Schädigung sind die Therapien unterschiedlich ausgeprägt. Zunächst muss bei der Erstversorgung im Krankenhaus die Art der Verletzung festgestellt werden. In der Regel werden traumatische Verletzungen operativ behandelt und Komplikationen beseitigt. Bei vaskulären Ursachen muss das Einbluten in den Schädel gestoppt werden und bei möglichen Hirnquetschungen gegengesteuert werden.

 

Die Behandlung hat zunächst vor allem das Ziel, das Leben des Patienten zu retten sowie das Auftreten von Folgeschäden so weit wie möglich zu verhindern. Sogenannte Sekundärschäden können durch eine schlechte Hirndurchblutung oder durch das „Einklemmen“ von anschwellenden Hirnteilen in vorgeformten Knochenhöhlen oder Bindegewebsstrukturen des Schädels auftreten und entwickeln sich erst einige Stunden oder wenige Tage nach der Verletzung. Folgeschäden können in den ersten Tagen auftreten und den Zustand des Patienten weiter verschlechtern. Die Weiterbehandlung des Patienten richtet sich nach den Schäden des Gehirns. Bei schweren Hirnverletzungen ist die Aufnahme in eine Spezialklinik oder eine geeignete Einrichtung zur Früh-Rehabilitation ratsam.

 

Komplikationen/Folgen einer Schädel-Hirn-Verletzung

Betroffene können nach Schädel-Hirn-Verletzungen vielfältig eingeschränkt sein:

  • Aufmerksamkeits-, Lern- und Gedächtnisstörungen
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • emotionale Störungen (z.B. Reizbarkeit Aggression oder Depression)
  • Verwirrtheit, Desorientierung
  • Schläfrigkeit Sprach- und Sprechstörungen
  • Schluckstörungen
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Halbseitige Vernachlässigungsphänomene
  • Lähmungen oder Spastik Wahrnehmungsstörungen (Störungen der Raumwahrnehmung, der Selbstwahrnehmung oder des Hör-/Sehvermögens)
  • Störungen der Bewegungs- und Handlungsabfolgen
  • Regulationsstörungen (z.B. der Körpertemperatur)
  • Epilepsie
  • Wachkoma

 

Diese Folgen können unterschiedlich starke Ausprägungen haben und sind ebenso individuell wie die dafür notwendige Rehabilitation und Pflege. 

 

Quellen und weiterführende Literatur:

 

S. Song, P. J. Sjöström, M. Reigl, S. Nelson, D. B. Chklovskii: Highly Nonrandom Features of Synaptic Connectivity in Local Cortical Circuits. In: PLoS Biology. 3(3), S. e68. doi:10.1371/journal.pbio.0030068

de.wikipedia.org/wiki/Aneurysma

www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de/npin/npinkrankheit/show.php3

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Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC), Medizinische Informationen für Patienten, Bereich Schädel-Hirnverletzungen

www.dgnc.de/htm/08/nav/index08.html

Statistisches Jahrbuch 2000 für die Bundesrepublik Deutschland, Wiesbaden, Verlag: Metzler-Poeschel, PPN131010689_2000

www.digizeitschriften.de/dms/resolveppn/

D. Kolodziejczyk: Das einfache Schädel-Hirn-Trauma (Diagnostische Fallen und Komplikationen). In: Der Unfallchirurg. 111, 2008, S. 486–492, doi:10.1007/s00113-008-1452-6

Heinz-Walter Delank: Neurologie. 11 Auflage. Thieme, Stuttgart 2006, ISBN 3-13-129771-9, S. 277ff..

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