Was ist ambulante Intensivpflege? Definition, Kosten, Anspruch, Ziele, Versorgungsformen
Was ist ambulante Intensivpflege? Wie finde ich einen außerklinischen Intensivpflegedienst? Wir beantworten auf dieser Seite Ihre häufig gestellten Fragen (FAQ). Der Begriff definiert im Allgemeinen einen Teilbereich der ambulanten Krankenpflege. Außerklinische Intensivpflege wird überall dort benötigt, wo Patienten in ihren Körperfunktionen intensiv überwacht oder unterstützt werden müssen. Sie kommt in erster Linie auf Intensivstationen zum Einsatz. Der medizinisch-technische Fortschritt ermöglicht es jedoch, viele Pflegeleistungen vom stationären in den ambulanten Bereich zu verlagern. Dazu gehört auch die medizinische Intensivpflege. Dank ambulanter Intensivpflege können schwerstkranke und schwerstpflegebedürftige Menschen heute ein möglichst selbstbestimmtes Leben im gewohnten häuslichen Umfeld führen. Spezialisierte, außerklinische Intensivpflegedienste unterstützen sie dabei.
Ambulante Intensivpflege kurz erklärt
Pflege und Alltagsbegleitung von schwerstpflegebedürftigen Menschen im häuslichen Umfeld
Ambulante oder auch außerklinische Intensivpflege ist die Versorgung von schwerstpflegebedürftigen Menschen außerhalb einer Klinik im häuslichen Umfeld. Was kennzeichnet diese spezielle Form der Pflege?
- Die schwerstpflegebedürftigen Menschen werden zu Hause oder in einer betreuten Intensivpflege-Wohngemeinschaft versorgt.
- Die intensivpflegerische Betreuung erfolgt je nach Bedarf bis zu 24 Stunden am Tag, rund um die Uhr – an 365 Tagen im Jahr.
- Die Pflege übernehmen examinierte Pflegefachkräfte.
- Die Überwachung der betroffenen Patienten ist intensiv und engmaschig, da jederzeit eine lebensbedrohliche Situation eintreten kann, die ein sofortiges Handeln verlangt.
Die ambulante Intensivpflege, außerklinische Beatmungspflege oder auch Heimbeatmung durch einen spezialisierten Pflegedienst erfolgt stets auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung.
Der übernehmende Pflegedienst benötigt i.d.R. eine Zulassung gemäß § 72 SGB XI und § 132a SGB.
Der Anspruch auf ambulante Intensivpflege, also spezielle häusliche Krankenpflege, und insbesondere auf medizinisch notwendige Behandlungspflege wird durch § 37 Sozialgesetzbuch Fünf (SGB V) geregelt.
Wer übernimmt die Kosten der Pflege?
Kostenträger Krankenversicherung
- Die Kostenträger von Leistungen der ambulanten Intensivpflege bzw. Behandlungspflege nach SGB V sind die Krankenkassen. Diese übernehmen die Kosten der häuslichen Krankenpflege auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung.
- Die Pflegeversicherung bezuschusst die ambulante Intensivpflege hinsichtlich der meist neben der Behandlungspflege zu leistenden Grundpflege, also der Unterstützung der Betroffenen bei Körperpflege, Ernährung oder Mobilität. Eine ambulante Intensivpflege ist dabei aber nicht unbedingt von einem anerkannten Pflegegrad (bis 31. Dezember 2016: einer anerkannten Pflegestufe) abhängig.
Erfahren Sie hier mehr über die Finanzierung der ambulanten Intensivpflege >
Häusliche 1:1 Pflege vs. Intensiv-WG: Welche Versorgungsformen gibt es?
Bei der häuslichen Intensivpflege lebt der Patient in seiner eigenen Häuslichkeit und wird dort bis zu 24 Stunden am Tag von einer Pflegefachkraft versorgt. Diese erbringt die Behandlungs- und Grundpflege und begleitet bei allen Aktivitäten des Alltags. Der Personalschlüssel bei dieser Individualbetreuung liegt grundsätzlich bei 1:1. Das heißt, dass in der häuslichen Intensivpflege eine Pflegefachkraft einen Patienten betreut.
In speziellen Wohngemeinschaften für Intensivpflege - auch Intensiv-WG oder Beatmungs-WG genannt - leben meist mehrere Patienten mit einem hohen Intensivpflegebedarf zusammen. Sie werden dort in der Regel 24 Stunden am Tag von einem Pflegedienst betreut. In ambulant betreuten Wohngruppen liegt der durchschnittliche Personalschlüssel i.d.R. bei 1:3. Das heißt, dass eine Pflegefachkraft im Tagesdurchschnitt drei Patienten betreut.
Erfahren Sie mehr über die außerklinische Intensivpflege
Welche Pflegetätigkeiten gehören zur Intensiv- und Beatmungspflege?
Zum Leistungsspektrum der außerklinischen Intensivpflege gehört:
- Spezielle Krankenbeobachtung und Interpretation der ermittelten Werte, z. B. bei tracheotomierten und/oder beatmeten Patienten
- Sicherstellung der maschinellen invasiven oder nicht-invasiven Beatmung (Heimbeatmung)
- Sekretmanagement und endotracheales Absaugen
- Tracheostomapflege und Trachealkanülenwechsel
- Enterale und parenterale Ernährung
- Legen einer Magensonde
- Bilanzierung
- Katheterisierung der Harnblase
- Medikamentengabe und spezielle Wundversorgung
Neben der eigenverantwortlichen Durchführung der Behandlungspflege stellen die Pflegefachkräfte den Bedarf an Grundpflege fest und entwickeln für den Patienten einen individuellen Pflegeplan.
Welche Ziele verfolgt diese spezielle Form der Krankenpflege?
- Das wesentliche Ziel der ambulanten Intensivpflege ist das Erreichen und Aufrechterhalten eines möglichst selbstbestimmten Lebens für die Betroffenen. Hierzu zählt u. a. auch die Teilhabe am sozialen Leben.
- Außerdem zielt die ambulante Intensivpflege darauf ab, den Drehtüreffekt zur stationären Wiederaufnahme chronisch kranker Patienten mit hohem behandlungspflegerischem Aufwand zu reduzieren bzw. zu vermeiden.